Heute brennen zwei Kerzen, rechts und links neben einem der Fotos meines Papas. Heute hätte er Geburtstag, heute vor 1,5 Jahren ist er gestorben.
Mein Leben ist nach einem ziemlichen k.o. weiter gegangen, ich habe mich berappelt, neu angefangen und mich bemüht, in vielen Dingen kürzer zu treten. Was mir bisher nicht gelungen ist, ist diese Sehnsucht abzustellen. Diesen Wunsch, der als Idee anfängt, schnell verdrängt wird, weil ich ja weiss, dass es unmöglich ist, und der dann aber umso dringlicher mit aller Kraft wieder zurück kehrt.
Der Wunsch, ihn zu sprechen, ihn um seine Meinung zu fragen, ihm von uns zu erzählen. Von seinen Enkelkindern, wie sie wachsen und was sie tun. Der Wunsch, ihm zu erzählen, dass wir überlegen, nochmal zu heiraten – ich wüsste so gerne, was er dazu zu sagen hätte – wir haben ohne Gäste, ohne Freunde, ohne Familie geheiratet, nur wir – würde er eine Rede halten?
Würde er sagen, dass er froh ist, dass ich bei diesem wunderbaren Mann gelandet bin? Würde er uns Glück wünschen und mich in die Arme nehmen – einen Tanz mit der Braut wagen?
Oh Gott, er fehlt mir so sehr. Unsere kleinen Telefonplänkeleien, seine Spässchen.
Vielleicht ging es mir besser, vielleicht hatte ich es besser im Griff, bevor ich erfahren habe, dass seine Witwe wieder heiraten möchte. 18 Monate danach. Ein Leben gegen ein anderes. Was ist schon dabei.
Ich habe sie gern, sehr gern. Sie waren viele Jahre zusammen, Jahre in denen auch ich eine enge Beziehung zu ihr aufgebaut habe – ich wünsche ihr, dass sie glücklich ist und wieder nach vorne schauen kann.
Aber wem fehlt er nun noch? Wer kann mich verstehen? Ist das Leben so? Die einen gehen, die nächsten kommen und jeder und alles ist ersetzbar? Nichts und niemand hat dauerhaften Wert?
So fühlt es sich an und ich finde das entsetzlich.
Ich bin so nicht – manchmal wünschte ich, ich könnte die Dinge leichter nehmen, Freundschaften relaxter sehen, vielem nicht so einen grossen Stellenwert einräumen – das würde mir auch viel Schmerz und Zurückweisung ersparen. Aber ich bin so nicht, ich halte fest und dann sitze ich eben an Papas Geburstag mit einem Foto und zwei Kerzen da und weine und bin unendlich traurig und wünschte, er würde mich mit seinen Pranken noch einmal unbeholfen umarmen,…
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