Angeregt durch diesen Blogbeitrag habe ich mir heute viele Gedanken zu meiner Mutterschaft gemacht und bin ausgerechnet in eine Diskussion geraten in der einige Kommilitoninnen über die Betreuungseinrichtungen ihrer Kinder diskutierten. Alle waren sich insofern einig, dass mit das Wichtigste an einem Kindergarten die guten Betreuungszeiten seien.
Ich folgte dem Gespräch, hing so hie und da meinen Gedanken nach, und wurde schliesslich auch zu meiner Meinung befragt.
Unsere Mamasitos besuchen eine Elterninitiative, die sich pädagogisch an Montessori orientiert.
Dies haben wir bewusst so ausgesucht, weil uns die pädagogische Ausrichtung als das wichtigste Kriterium der Wahl eines Kindergartens schien.
Die Betreuungszeit wird hier nicht nach Alter oder Stunden vergeben, sondern orientiert sich daran, wie das Kind den Aufenthalt im Kindergarten jeweils verkraften kann.
So gibt es 4 Jährige, die bereits um 13.00 Uhr abgeholt werden, andere, die bis 15.00 Uhr bleiben und so weiter.
Es ist zugegebener Massen häufig schwierig, meine ausserfamiliären Verpflichtungen mit diesen Betreuungszeiten in Einklang zu bringen, aber wir sind davon überzeugt, dass dieser Blick auf die Kinder genau das ist, was den Kindern am besten tut und somit jongliere ich, allen Widrigkeiten zum Trotz, gerne mit meiner Arbeit, dem Studium und was sonst noch alles dazu gehört.
“Ja wie??” fragt mich die Mitstudentin, “und dann richtest Du Dich da nach Deinen Kindern, oder was??” und schaut mich dabei an, als ob sie an meinem Verstand zweifelte.
“Naja”, sage ich, “wenn mein Kind nach einer langen Betreuungszeit im Kindergarten für den Rest des Tages nichts anderes mehr tun kann, als auf dem Boden zu liegen und zu schreien, weil es völlig überfordert und überreizt ist, dann muss ich davon ausgehen, dass die Einschätzung der Erzieherinnen richtig ist, weswegen wir es in der Folge so handhaben.”
“Ja, aber”, setzt die Kommilitonin wieder ungläubigen Blickes an, “da müssen die Kinder halt durch, oder? Also, ich meine, das müssen die dann halt aushalten, die gewöhnen sich doch da dran, und ausserdem (grosse Pause) es kann sich doch auch nicht alles um SIE ( an diese Stelle einen Tonfall für “iih ein Insekt” hindenken) drehen?!!?”
Die anderen schauen betreten drein, keiner sagt so recht, was er/sie denkt, aber die Blicke sprechen durch die Bank Bände.
Ich bin wie eingangs gesagt ein wenig unschlüssig.
Mache ich mich durch diese Überzeugung zum Knecht meiner Kinder?
Müsste ich sie zu meinen Gunsten durch diese “da müsst Ihr eben durch” Schule schicken? Falle ich mit meiner Vorstellung von Kindererziehung tatsächlich der Tyrannei der Kinder zum Opfer?!?
Was soll das überhaupt sein: Tyrannei von Kindern? Was bedeutet das? Mich nach den Bedürfnissen meiner Kinder zu richten?
Hier sitze ich und mache mein Ding.
Die Familie, meinen Job, das Studium, nebenbei versuche ich mich am Aufbau eines Gewerbes, das langsam mehr und mehr anläuft,… – ich habe nicht das Gefühl unter irgendjemandes Knute zu stehen, ich bin selbst getrieben und ja, es ist viel, was ich stemme – wie im letzten Beitrag erwähnt manchmal viel zu viel –
aber das ist mein Ding – und darf dann schlussendlich diesem “Viel” das Wohl der Mamasitos zum Opfer fallen?
Also, wenn ich weiss und sehe, dass mein Kind das Pensum eines 8 Stunden – Kindergartentages nicht schafft, dass es schreit, nachts schlecht träumt, weinend aufwacht, sich wälzt und fortwährend nach der Mama ruft, morgens gleich mal wieder weinend aufwacht und sagt, dass es garnicht mehr in den Kindergarten gehen und stattdessen bei der Mama bleiben möchte,… – dann kann ich doch nicht ernsthaft sagen, “das muss da durch” – oder? Also ernsthaft?
…
Sagen Se mal..