Diesen Satz, der so in etwa der Titel eines Buches sein soll, hat mir meine Therapeutin mit auf den Weg gegeben und er geht mir nicht mehr aus dem Kopf.
Ich habe seit meiner Schwangerschaft immer versucht “das Beste” für mein Kind, bzw. meine Kinder zu tun.
Dabei war es mir wichtig, mich mit meiner eigenen Erziehung auseinander zu setzen, bewusst Dinge anders zu machen oder einige wenige sogar zu übernehmen. Ich habe Bücher gewälzt, ganz gängige, aber vor allem dann irgendwann ganz besondere, wunderbare…Juuls, Largo, Liedloff,…
Ich wollte meine Kinder respektieren, liebevoll mit ihnen umgehen, sie in ihrem Sein unterstützen und vor allem jederzeit gewaltfrei kommunizieren (gewaltfrei ist ohnehin klar, aber eben auch in der Kommunikation und das ist manchmal wesentlich schwerer einzuhalten) – harmonisch sollte es sein, wir alle eine grosse, glückliche Familie. Gemeinsam lachen, spielen, fröhlich sein, uns bedingungslos lieben und ein wunderbares, erfülltes, traumschönes Leben führen.
Nicht zuletzt weil wir eben nicht rund um die Uhr, eine zwar grosse, aber nicht permanent glückliche Familie sind, habe ich mich dann von Beginn an, also quasi mit der Geburt des ersten Mamasitos permantent unter Stress gesetzt.
Dass die Dinge nicht immer rund laufen, ist selbst mir Romantikerin klar, aber ich hatte so eine ganz konkrete Vorstellung von “wie ich mir meine Traumfamilie denke” und sobald vor allem meine Mamasitos von diesem Ideal abgewichen sind, bin ich unter Streß geraten. Die liebevolle, pädagogisch wertvolle Mama, die ich so gerne sein möchte, hat auf einmal angefangen zu brüllen, war ratlos, verzweifelt und hatte Gefühle von “ich würde Dich jetzt am liebsten an die Wand werfen”!
Dass ich diese Gefühle hatte und habe, löst bei mir s o f o r t und zwar just in dem Moment, in dem sie hochkommen, ein schlechtes Gewissen aus, denn natürlich widersprechen sie all dem, was ich mir so in meinen idealisierten Träumen vorgestellt hatte.
Ich glaube, ich bin nicht die Einzige, die dieses Problem hat, im Gespräch mit einer anderen Kindergartenmama ist mir dieser Tage aufgegangen, dass es ihr ähnlich geht und dass dieser Druck vor allem dann besonders groß ist, wenn sie mit ihren Kindern anderswo ist. Es sei, als ob sie sich und ihre Familie dann aus den Augen der anderen sähe und unmittelbar nimmt sie jede nicht perfekte Kleinigkeit sofort als Makel wahr und fühlt sich schlecht, wird hysterisch, versucht die Kinder in die gewünschte Form zu pressen, das geht natürlich schief und am Ende fahren alle völlig gestresst nach Hause. Meine Güte, wie gut kenne ich solche Situationen.
Fast undenkbar zu glauben, dass ich erst durch diesen einen Satz “Familie heisst Probleme haben” eine Art Legitimation gefunden habe, für alles, was nicht rund läuft.
Wir sind Eltern, deren Herkunft unterschiedlicher kaum sein könnte, das alleine schafft trotz aller Liebe und Verbundenheit immer wieder Reibungspunkte – natürlich ist das so – unsere Kinder sind eigenständige Menschen, die auch unterschiedlich fühlen und denken – natürlich ist auch das so (obwohl oder gerade weil sie unsere Kinder sind) – so viele Menschen auf einen Haufen, das KANN eigentlich ganz natürlicher Weise nicht immer wunderbar sonnig, harmonisch, glücklich und traumschön sein – das wirklich zu verinnerlichen, daraus Kraft und Ruhe zu schöpfen, und in Momenten an denen ich sonst verkrampfen würde mein inneres “oooohhhhhhmmmmmmm” herauszukramen, wird in den kommenden Tagen, Wochen, Monaten, Jahren…. verstärkt meine Aufgabe sein. Und dann wird alles gut!
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