Palmenstrand's Blog

so fern und doch so nah

Demenz ist ein Arschloch!! 3. März 2010

Filed under: Oups! — palmenstrand @ 6:08 pm
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Vor nicht allzu langer Zeit habe ich bei ihr eine ähnliche Aussage gelesen und seither hat mich dieser Satz nicht mehr losgelassen.
Vielleicht insbesondere, als ich zu diesem Zeitpunkt ein sehr spirituelles Buch gelesen habe, in dem thematisiert wurde, dass es für eine mögliche Heilung unbedingt hilfreich ist, wenn man den (in diesem Fall) Krebs eben nicht als Arschloch sieht.
Dass es sinnvoll ist, ihn nicht als Fremdkörper und Feind zu betrachten, sondern ihn im Gegenteil in Gedanken an die Hand zu nehmen, mit ihm zu sprechen und ihm zuzulächeln, um ihn zu verstehen und ihn in der Folge dadurch nicht länger als Feind zu haben.
Das schien mir so einleuchtend und auf jede andere Krankheit anwendbar zu sein.
Heute ist mir klar geworden, dass der Gedanke zwar nachvollziehbar ist, die Umsetzung aber an der Realität scheitert…

Wie soll man Demenz an die Hand nehmen, wenn der Betreffende schliesslich garnicht weiss, dass sie da ist.

Ist es überhaupt leistbar, dem von der Krankheit betroffenen Menschen, der Demenz und all ihren hässlichen Begleitumständen allein und gänzlich unprofessionell zu begegnen, ohne daran zu zerbrechen?
Es geht ja auch nicht nur darum, Schimpftiraden auszuhalten, Schläge abzufangen und die Hygiene in einem Rahmen zu halten, der für den Kranken und sein Umfeld erträglich sind – eine RundumdieUhrbetreuung muss gewährleistet sein, nächtliches Tiefschlafen unmöglich, wenn die kranke Person das Schlafen der Anderen als Einladung zur Flucht versteht.
Kann man es schaffen, dem stetig voranschreitenden Verfall mit Ruhe zu begegnen, wenn man nie Zeit hat, sich mit der eigenen Wut, Trauer und Verzweiflung über die Ungerechtigkeiten, die das Leben mitunter bereit hält, auseinander zu setzen? Wie soll man die Schuldgefühle ausser Kraft setzen, die sich täglich, stündlich, sekündlich immer häufiger und immer wilder einstellen, weil die Liebe schwindet und dem Drang Platz macht, sich so weit es nur geht zu entfernen?

Demenz ist ein Arschloch – weil sie nicht nur den befällt, der ihr zum Opfer wird – weil sie sich ausbreitet, Ausweglosigkeit und Gewissensbisse säht, weil sie einen hoffen lässt, es möge schnell vorbeigehen – und auch da: wie soll man es für den Rest seines Lebens mit seinem Gewissen vereinbaren, dass man beginnt, einem Menschen den Tod zu wünschen, der einem selbst das Leben geschenkt hat!

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14 Responses to “Demenz ist ein Arschloch!!”

  1. Daxie Says:

    Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen, dass ich das ebenfalls stark bezweifle. Das Problem ist, wenn es ein nahestehnder Mensch ist, kann man nicht objektiv sein und sich nur ganz schwer gegen die innere Aggressionen,Wut, Trauer und Verzweiflung, welche staendiger Begleiter sind, loesen. Ich habe es allein und unprofessionell nicht geschafft und kapituliert.(bevor ich daran zerbrochen waere…)
    Es mag Menschen geben, die in ihrer persoenlichen Entwicklung soweit sind, dass sie das schaffen.
    Da zieh ich den Hut vor.

  2. Bonafilia Says:

    Ich denke auch das das nicht zu schaffen ist…Profis sind sicherlich eine große Hilfe!

  3. muriaticum Says:

    Ich habe schon öfters Demenzkranken geholfen, diese Erde ‚loszulassen‘. Darin könnte eine helfende Aufgabe bestehen. Viel Kraft!

  4. sayadin Says:

    Meine Mutter ist dement.
    Sie macht jeden Tag die selben Dinge und die macht sie immer schlechter. Ich habe meinen Vater vorgeschlagen, das wir sie mal in den Urlaub mitnehmen sollten. Aber er hält nichts davon. Ich denke, das neue Reize das Gehirn auf trab bringen.
    Ich würde auch versuchen sie fürs Call of Duty zu faszinieren.
    Da ist man gezwungen strategisch und taktisch zu denken. Bei Versagen Todesstrafe. Aber der Tot ist virtuell ja nicht so tragisch.

  5. sayadin Says:

    Die Steuerung und das Chatten läuft ja über Tastatur und Maus, also Training der Feinmotorik. Chatten öffnet soziale Kontakte. Und man muss sich durch unbekannte Räume bewegen wo hinter jeder Ecke mörderische Gefahren lauern.

    Und nach dem ersten Kill-Erfolgserlebnis. Käpitan Hook „Wenn Du einmal damit angefangen hast kannst Du nie wieder aufhören.“ Lieber eine Cod süchtige Oma die ihre Aggressionen an Teens im virtuellen Raum auslässt als ne tuttlige Oma die traurig den Verfall ihres Körpers und ihrer Intelligenz beobachten muss.

    Man könnte auch solche Spiele speziell für Demente entwickeln. Oder es gibt doch auch diese Wii Konsolenspiele. Die sollten auch was bringen.

    Aber meine Mutter kann ich von so was nicht überzeugen. Wann hätte je eine Mutter auf ihren Sohn gehört?

    Aber wenn der Herr Doktor sagt, das Oma eine Stunde pro Tag oder mindestens 30 Kills schaffen muss. Dann kann man Oma vielleicht eher an den Bildschirm bringen und Suchtverhalten auslösen.

    Ich würde Oma auch mal Gras zu rauchen oder XTC geben. Da müsste man aber sicher sein, das sie nicht umfällt, sonst hat man einen Oberschenkelhalsbruch und das wolln wir doch nicht. Es käme drauf an, ob sich durch so was der Zustand verbessert.

    • palmenstrand Says:

      Äh, in der Tat, eine sehr interessante Sicht der Dinge – gleichwohl ich vermutlich nicht in Erwägung ziehen werde, diese Art der Freizeitbeschäftigung auf den Plan zu rufen, am Ende überträgt sie dort Erlerntes auf das real life… nee, ach, nee!

  6. sayadin Says:

    Da würde ich mir keine Sorgen machen. Ich habe zwar gehört, das eine Rentnerbande ihren Anlageberater, der sie um ihr Erspartes gebracht hat, so lange eingetütet hatte, bis sie ihr Geld zurück hatten, aber ich vermute das das bei Dementen nicht passiert weil das mehr Planung und Langzeitgedächtniss voraussetzt als das Gehirn zulässt.
    Ausserdem reicht die Puste nicht für einen schnellen Stellungswechsel und woher soll die alte Dame/Herr die Wumme bekommen? Wir sind ja nun nicht in Amerika wo man seinen Krieg vom Baumarkt aus organisieren kann (The Shooter).
    Und ausserdem brauchts für einen ordentlichen Kleinkrieg ein geeignetes Ziel.
    Obwohl, man könnte die Oma ne Bank ausrauben lassen und das Geld verschwinden lassen. Und die Oma kann sich mit Sicherheit rausreden…eine faszinierende Idee…

  7. muriaticum Says:

    *lacht* ,ob dieser Ideen.

  8. sayadin Says:

    Na ja, ik bin en Kerl und hab meine infantile Seite noch nicht überwunden. Und ich werde sie wohl auch nicht mehr überwinden. Aber ich würde mir gern Deine Oma für einen Raubzug ausborgen. Mit Barett und Che Guevarat-shirt wieder das System…

  9. palmenstrand Says:

    Nun ja – die „Oma“, wie Sie sie nennen, hat vergangene Woche in einem unbeaufsichtigten Moment ein Kaufhaus um eine Reihe Manschettenknöpfe erleichtert… Auch wenn das das ein oder andere Schmunzeln heraufbeschwört – in dem Moment, in dem man sich vergegenwärtigt, wie es wohl für „Opa“ gewesen sein muss, das Diebesgut wieder zurück zu bringen, vergeht das Schmunzeln dann schon wieder!!


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