Palmenstrand's Blog

so fern und doch so nah

Fremdenfeindlichkeit 9. März 2010

Filed under: Oups! — palmenstrand @ 10:30 am
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Heute stand beim Einkaufen hinter mir an der Kasse eine junge Frau mit etwas dunklerer Hautfarbe und Dreadlocks. Sie hatte einen kleinen Jungen und ein Baby dabei und ist mir im Supermarkt mehrfach begegnet, weil unsere Kinder sich offenbar sehr sympathisch waren.

Als ich gerade bezahlt hatte, lief ihr Sohn mit dem verpackten Auto, das er offenbar bekommen sollte, durch die Absperrung. Seine Mama rief hinter ihm her, er solle bitte zurück kommen und der Junge bewegte sich dann auch nicht weiter weg, als um die „Mülltrennstation“ herum.

Die Frau an der Kasse war völlig ausser sich und sprach die Mutter mit dieser typischen Intonation an, in der viele Menschen auf ausländische Mitbürger zugehen (das hat immer ein bisschen was von „behämmert“, gaaaanz langsam):

„Sie!!!! SIEEE!!! Können   Sie           Ihr       Kind      da       weg     holen!!! Sie       haben         das        noch      nicht         bezahlt!!!

(die Mutter rief ohnehin immer wieder nach dem Jungen, legte gleichzeitig die Waren auf das Förderband und kümmerte sich um das schreiende Baby, das sie im Tragetuch dabei hatte) Ich muss dazu sagen, dass aus meiner Sicht zu keiner Sekunde die Gefahr bestand, die Mutter könnte ohne zu bezahlen abhanden kommen; ihre gesamten Einkäufe lagen auf dem Band, die Frau war total nett und lediglich ein bisschen gestresst wegen des brüllenden Babys und der Situation als solches.

„SIEEEE!!!, verdammt, Ihr Kind rennt hier mit unbezahlter Ware herum, jetzt nehmen Sie es ihm halt weg, SIE MÜSSEN DAS NOCH BEZAHLEN,  V E R S T E H E N   S I E ???“

Das war so der Moment, in dem mir der Kragen geplatzt ist und ich habe zu der Kassiererin dann tatsächlich gesagt:

“ wenn die Frau weiss wäre, würden Sie hier nicht so ein Theater veranstalten!“

Ach Mann, ist doch wahr!!! Natürlich kann ich das nicht beweisen und ich sollte mich darüber vermutlich auch nicht so aufregen, aber mich nervt sowas, es belastet mich, wenn Menschen so miteinander umgehen.

Und am allerschlimmsten finde ich es, wenn dann alle Umstehenden denjenigen blöd anstarren, der es wagt, den Mund aufzumachen – „Was fällt denn DER ein? Wie kann es DIE wagen?“ Da wird dann getuschelt und das Gesicht verzogen, missbilligend gekuckt und heftig mit dem Kopf gewackelt. Zum Kotzen eigentlich.

Aber:      vielleicht stimmt es ja – vielleicht hatte die Situation ja wirklich nichts damit zu tun, dass die Frau farbig war, vielleicht hatte die Kassiererin wirklich Sorge, das Kind würde mitsamt dem Auto abhauen und es könnte nicht bezahlt werden? Vermutlich mache ich mir zu viele Gedanken – und wahrscheinlich drückt Elfriedes Kummer mir so sehr auf die Seele, dass ich jetzt hinter allem und jedem einen Angriff wittere…

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6 Responses to “Fremdenfeindlichkeit”

  1. Daxie Says:

    In meiner Ecke der Welt, waere die Kassiererin aufgestanden und haette geholfen den kleinen Mann einzufangen, zusammen mit allen die in der Wartereihe standen. Und alle haetten sich amuesiert.
    Das heisst nicht, dass es hier keine Auslaenderfeindlichkeit gibt und wie es die gibt. Meine Wenigkeit muss grad auch ein wenig den Kopf einziehen, dank bestimmter Zeitungsartikel, hier nicht naeher genannter Boulevardmagazine…
    Aber Muetter mit Kindern sind unantastbar und Kinder genießen ohnehin uneingeschraenkte Sympathie.
    Ich lebe jetzt sei 6 Jahre nicht mehr in DE und vorher war mir das garnicht so aufgefallen, wie wenig Geduld und Nachsicht man in deutschen Landen doch gegenueber den Kleinsten zeigt.

  2. Observateur Says:

    Eine einseitige Beobachtung, die nur auf den ersten Blick so klar ist. Aber vielleicht ist es auch ganz anders: Die Kassierin hatte bereits Erfahrung mit solchen Fällen und wollte verhindern, dass ein Ladendiebstahl mehr ihr angelastet wird. Wer weiss? Sinnvoll wäre es schon beide Seiten der Geschichte zu kennen.

    • palmenstrand Says:

      Wie gesagt, es ist nicht so, dass ich diese Möglichkeit komplett ausser Acht gelassen habe – nichts desto Trotz stand die Situation in keinem Verhältnis zu der Reaktion der Frau. Das Kind hat einfach ein bisschen gespielt – wie hätte das Auto gestohlen werden sollen, wenn die Mama noch nicht einmal die Waren auf dem Band bezahlt (geschweige denn auf das Band gelegt) hatte…

  3. Ich denke auch, daß die Kassiererin ein wenig über die Stränge geschlagen ist! Lächerlich anzunehmen, die Frau würde sich mit einem Spielzeugauto davonmachen. Deine Zivilcourage ehrt Dich, viel zu selten machen die „Anderen“ den Mund auf!

  4. nirhtactio Says:

    Mund auf!! Recht hast du! Gut gemacht. Mir platzt da auch immer der Kragen und die Hutschnur geht auf (sagt man das so?)

    PS: Lena für Oslo 😉

  5. zimtapfel Says:

    Oh, so eine ähnliche Situation habe ich auch schonmal erlebt und ich ärgere (oder schäme) mich heute noch (nach fast 15 Jahren), das ich damals nichts gesagt habe.


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