Palmenstrand's Blog

so fern und doch so nah

Gefallen wollen 31. März 2010

Filed under: Hey there — palmenstrand @ 3:35 pm
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Heute habe ich im Auto darüber sinniert, wie sehr man im Laufe seines Lebens dazu gebracht wird, jemandem gefallen zu wollen. Man studiert das Umfeld, beobachtet Verhaltensmuster, stellt fest, was gesellschaftskonform und was als eher nicht angemessen betrachtet wird.

Ich wünschte, ich könnte das grundsätzlich ignorieren, danach leben, mein Ding zu machen, meinen Weg zu verfolgen und nicht auf die „man machts“ die es so gibt, zu achten.

Mein Vater war so – nicht, dass er unangepasst gewesen wäre, aber er hatte keine Angst davor anzuecken und ist sich immer treu geblieben – das habe ich immer bewundert.

Ist das Selbstvertrauen? Woher kommt diese Sicherheit, nicht auf das Wohlwollen der anderen angewiesen zu sein?

Ist es schwerer, Freunde zu finden, wenn man den Finger auch dann und wann mal in die Wunde legt, wo andere an dieser Stelle vielleicht eher diplomatisch schweigen und lächeln?

Mir sind meine Mitmenschen wichtig, ich möchte niemanden verletzen, kümmere mich um die, die mir am Herzen liegen und versuche trotzdem, gerade raus und offen zu sein – wenn ich das aber dann bin, ernte ich häufig nervöses Zucken, krampfhaft zum Lächeln verzogene Mundwinkel und ich kann nicht umhin, mir Sorgen zu machen, ob meine Offenheit der Freundschaft wirklich nichts anhaben kann.

Alles ist so schnelllebig, Bussibussigesellschaft, heute hier, morgen dort – da lächelt man doch vielleicht lieber und hält den Mund – eckt nicht an und hat wenigstens das Gefühl nicht ganz alleine zu sein.

Nein?!

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9 Responses to “Gefallen wollen”

  1. katerwolf Says:

    was für ein schöner blog-eintrag. ich kenne diese gedanken so gut, vor allem seit paar wochen gehen sie mir im kopf herum. mein bisheriges fazit: zum glück gehört die unabhängigkeit des geistes. und dazu braucht man mut. und das ist gar nicht einfach.

    liebe grüße, katerwolf

  2. Tine Says:

    Hallo Frau Palmenstrand,
    ganz schwer finde ich, dieses Maß für die eigenen Kinder zu finden…, ihnen zu zeigen, das sie selber Jemand sind, eigene Meinungen bilden sollen… Gerade heute ist wieder so ein Tag, an dem ich meine Meinung, mein ICH auslebe, indem ich meinem Kind versuche zu erklären, daß auch ehemals beste Freundinnen beeinflussbar sind von außen. Das tut mir gerade sehr weh und ich und ich kann und will dies nicht in meinem eigenen Blog so schreiben, deswegen bin ich gerade sehr dankbar für diesen Post hier….
    Liebe Grüße
    Tine

    • palmenstrand Says:

      Es tut mir leid, was Sie da andeuten, den Begriff „ehemals beste Freundinnen“ dürfte es eigentlich garnicht geben. Eine wahrhaft beste Freundin sollte das doch durch dick und dünn sein – fühlen Sie sich umarmt, ich hoffe für Sie (und mich) es wird wieder!! Alles Liebe

  3. Schöner Beitrag!
    Ja, so denke ich auch und oft schon bekam ich einen schiefen Blick, eben weil meine Meinung offen und geradeheraus ist.
    Aber mir ist es wichtig, genauSO sein zu dürfen. Ich will mich nicht verstellen, nicht auf schischi machen, wenn mir etwas ganz anderes durch den Kopf geht.
    So langsam nähere ich mich dem an, wie ich eigentlich bin. Ich möchte mich nicht verstellen, ich möchte ich sein. Immer.

    • palmenstrand Says:

      Lieben Dank, es ist ein so wichtiges Thema!
      Ich habe gestern noch viel über Ihre Sätze nachgedacht und mich gefragt, ob ich nicht auch dann immer ich bin, wenn ich gelegentlich Diplomatie walten lasse und vielleicht nicht ganz so sehr offen ausspreche, was ich denke…
      Verstehen Sie, was ich meine? Vielleicht gibt es diese Momente, in denen es nicht zwangsläufig bedeutet, dass ich mich verbiege, wenn ich ausnahmsweise des lieben Frieden willens den Mund halte?! Mir ist es schon oft so gegangen, dass ich vorher, also bevor ich rausgelassen habe, was da so in mir schwelt, darüber sinniert habe, was es für die Gesamtsituation bringen wird, wenn ich mir Luft mache…

      Wo findet man Menschen, für die es in Ordnung ist, dass man ist, wie man ist und das dann auch so vermitteln? Oder liegt es an mir zu erkennen, dass meine eigenen Unsicherheiten mir Steine in den Weg legen und diese Menschen sind schon längst da?!

  4. Daxie Says:

    Meine beste Freundin meinte vor einiger Zeit mal zu mir: Du bist offen und ehrlich – im Guten wie im Schlechten…Dennoch- ich habe mir in Punkto „Diplomatie“ einiges von meinem Mann abgeschaut. Ich muss inzwischen nicht mehr alle Kaempfe austragen und es nutzt auch garnichts, Menschen staendig die ungeschoente Wahrheit um die Ohren zu hauen.
    Das war ein langer Weg und auf diesem Weg gingen auch „beste Freundinnen“ verloren.
    Aber ich habe auch gelernt, wenn ich mich verbiege bis zum „Erbrechen“, dann werde ich krank.
    Am Mittelweg arbeite ich noch und werde es wohl auch bis an mein Lebensende 🙂
    Aber inzwischen nehme ich besser wahr, was mir wirklich wichtig ist und was nicht.
    Ich denke, dass ist vielleicht das Ding, dass man erkennt, wo man wirklich „den Finger auf die Wunde“ legen muss und wo man auch einfach mal die Luft anhaelt-auch wenn es schwerfaellt.

  5. paulaqu Says:

    Hm ja, diese Sache mit der Offenheit…die finde ich ganz schön schwierig…also nicht das Offensein an sich….nur die Verpackung der Offenheit! Ich bemühe mich auch möglichst ehrlich und authentisch zu sein, aber ich habe festgestellt, daß ich mich schon auch immer auf den jeweiligen Gesprächspartner einstelle und ihm/ihr dann auch entsprechend „die Meinung sage“, so, daß kein Streit entsteht. Es geht mit nicht darum, immer gefallen zu wollen, aber eine gute Dosis Diplomatie finde ich ziemlich gut, auch so läßt sich die eigene Meinung doch meist gut anbringen, ohne daß man sich selbst untreu wird (meine Mama meint auch oft, sie wäre halt einfach direkt und verletzt mich dann schon manchmal….würde sie ihre Worte etwas anders wählen, wäre ich ihr schon öfters mal dankbar!!)
    Und die Menschen, die einen einfach so nehmen, wie man ist? Ich finde, die gibt es ganz schön selten! Und die müßen dann aber auch etwas gehegt und gepflegt werden….und geliebt!
    Ein schwieriges Thema…zumal ich gerade auch, wieder mal in meinem Leben, von ein paar Menschen enttäuscht worden bin. Aber da bin ich inzwischen auch radikal geworden, und ich habe mich „von ihnen befreit“ (nein, ich habe ihnen nichts angetan…ich habe lediglich eine email geschrieben und ein Telefonat geführt…)!

  6. dachfenster Says:

    Ein schwieriges Thema. Es beschäftigt mich auch sehr. Wie groß das Selbstbewusstsein ist, ist dabei wohl sehr wichtig. Immer gefallen wollen ist anstrengend. Aber auch mal „Nein“ sagen, ist noch anstrengender. Ich für mich versuche dies gerade (wieder) zu lernen. Ich muss mir den Vorwurf machen zu lange nicht „Nein“ gesagt zu haben. Immer aus Rücksicht auf andere. Und dabei habe ich mich fast verloren.

  7. Kassiopaia Says:

    Predigen tue ich auch immer, dass man nicht alles machen soll und nicht immer jedem gefallen muss. Schließlich kann man sich die Menschen aussuchen, mit denen man wirklich was unternehmen will und auch auf der Arbeit sollte man nicht immer Ja und Amen sagen.
    Allerdings fällt es mir selber sehr schwer danach wirklich zu leben. Ich bin kein Arschkriecher, aber ein Nein ist in manchen Situationen genauso schwierig wie ein „Na klar, mach ich“. Ich bin da teilweise auch noch zu schüchtern und nicht selbstbewusst genug. Obwohl ich mir das gerade ein wenig antrainiere und auf Arbeit z.B. schon öfter meine Klappe aufmache, wenn mir was nicht passt oder ich Missstände erkenne. Den eigenen Schatten zu überspringen kann schon ganz schön schwer sein. 😉


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