Palmenstrand's Blog

so fern und doch so nah

Immer Kind 7. April 2010

Filed under: Autsch!! — palmenstrand @ 7:15 am
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Ich kann mich zurück erinnern, dass meine Mutter, wenn sie keine Lust mehr auf eine Diskussion mit mir hatte, gleich um welches Thema es dabei ging, in ihrem Schlafzimmer verschwand, den Schlüssel von innen umdrehte und die Musik laut schaltete, damit sie mein Schreien und Bollern gegen die Tür nicht hören musste.

Dabei war es wie gesagt völlig unerheblich um welchen Disput oder einfaches Anliegen es dabei ging; den nachmittag bei einer Freundin zu verbringen, zu meiner Oma zu fahren, Fernseh zu schauen, …  – Ich endete mit meinem Bedürfnis vor einer verschlossenen Tür und war verzweifelt.

Die Despotin hatte gesprochen, rums, zu war die Tür, Thema erledigt und ich musste schauen, wie ich damit klar kam.

Die Wut wuchs und als ich im Teeniealter war, liess ich mir nicht mehr so einfach die Türe vor der Nase zuknallen.

Das letzte Mal, als sie es gemacht hatte, habe ich die Türe eingetreten.

Jetzt, wo ich alt und weise bin, unsere Wege sich ein wenig auseinander dividiert haben und ich in der grossen, schönen Stadt ordentlich entfernt lebe, hat sie es eingeführt, das Telefon einfach „aufzulegen“ wenn sie meint, ein Thema sei für sie beendet. Sie legt auf und beantwortet dann für etwa 48 Stunden keinen meiner Anrufe mehr. (die Ursache für das Auflegen wird im Übrigen nie wieder gestreift und wenn ich das tun sollte, erlebe ich das gleiche Spiel von vorne…)

Davon abgesehen dass ich dieses Verhalten für absolut unreif halte, ist es ausserdem grausam und beispielhaft für „wie man es nicht machen sollte“ und hat ausserdem massgeblich dazu beigetragen, dass ich nicht sonderlich konfliktfähig bin, bzw. mich bei Konflikten wie eine Schnecke in mein Haus zurückziehe und warte, bis er vorbei ist (falls ich überhaupt nochmal auftauche).

Ich frage mich, ob meine Scheu vor Menschen daher rührt, dass mir zu oft demonstriert wurde, dass ich und was ich zu sagen habe, nicht wichtig genug ist, um sich damit auseinander zu setzen.

Natürlich frage ich mich auch, was sie zu einem solchen Handeln veranlasst hat? Hilflosigkeit? Überforderung? Der Wunsch, mich zu demütigen? (will ich mir das bei meiner eigenen Mutter vorstellen?)

Und zu guter Letzt; wenn ich mir diese Fragen gestellt und beantwortet habe – wird mir das helfen, den Schmerz zu lindern, die Wut zu mindern und für den Rest der gemeinsamen Zeit so etwas wie Frieden zu empfinden?

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8 Responses to “Immer Kind”

  1. Daxie Says:

    Waere es moeglich, das Thema mal mit ihr zu besprechen? Auf dem Level wie du dich fuehlst, nicht wie besch…eiden sie sich verhalten hat bzw. verhaelt.
    Diese Aktionen kommen mir sehr hilflos vor, so nach dem Motto: Bevor mir der Kragen platzt, klink ich mich aus.
    Dabei kann ja ein Gewitter durchaus auch mal die Luft reinigen, aber dahin muss man erst mal kommen.
    Falls ihr keine Moeglichkeit habt mal offen miteinander zu reden, dann kannst du ihr vielleicht mal einen Brief schreiben ?
    Mal schilderst, wie du dich in diesen Situationen fuehlst. |Ich glaub so ganz klar ist ihr das irgendwie nicht.
    |Oder sie kann nicht anders, aus welchen Gruenden auch immer, aber vielleicht kann man das ja auch irgendwie klaeren.
    Druecke feste die Daumen, dass ihr einen Weg findet.
    (Ich glaub nicht, dass sie dich absichtlich demuetigen will.)

  2. palmenstrand Says:

    Nein, ehrlich gesagt habe ich es aufgegeben, mein Innerstes nach Aussen zu kehren. Früher habe ich das ein, zwei, drei Mal versucht und mir dabei immer wieder die Finger (und mehr) verbrannt – jetzt lasse ich es bleiben.
    So schwer es fällt, da wird es wohl keine Ebene mehr geben – und es fällt mitunter sehr schwer…

  3. ceceka Says:

    Aus meiner eigenen Erfahrung: ja, der Zusammenhang kann passen. Wenn man lang genug erfährt, dass die eigenen Bedürfnisse keine S*u interessieren, ist es verflixt schwer, anders mit sich selbst umzugehen.
    Trotzdem versuche ich, mich wieder umzustellen. Und zum Üben suche ich mir Leute, bei denen ich mir rational relativ sicher bin, dass sie anders reagieren als ich es gewohnt bin.

    LG und ganz viel Mut,
    Christine

  4. Daxie Says:

    Ich kann dich auf einer gewissen Ebene verstehen. Ich habe fuer bestimmte Dinge 26 Jahre gebraucht um sie zu sortieren, die betreffenden Personen loszulassen und endlich abzuschliessen.
    Dabei hatte ich zwischendrin auch professionelle Hilfe,alleine haette ich es nicht geschafft.
    Und dabei kuerzlich auch festgestellt, dass manchmal einfach alles gesagt ist und von der betreffendn Person keine Einsicht mehr zu erwarten ist.
    Die Frage ist am Ende, was dich mehr belastet. MIch inzwischen die Funkstille und die Unsichtigkeit der betreffenden Person nicht mehr, aber wie gesagt, es war ein langer Weg.

  5. tyndra Says:

    kenn ich, in etwas abgewandelter form. nachdem ich jahrzehntelang vergeblich versucht hatte, einen gangbaren weg zu finden und mich dabei selbst bis zur unkenntlichkeit verbogen habe, war irgendwann das mass voll. bei ihrem letzten „anfall“ habe ich ihr klar gesagt, dass ich von all dem genug hätte und sie sich dann wieder bei mir melden könnte, wenn wir uns wie erwachsene unterhalten können. damit war ich allerdings sehr viel später dran als daxie, ich fand den mut zum widerspruch erst mit 39.

    unmittelbar danach: gefühl der befreiung. nach etwa 3jähriger funkstille jetzt kann ich sagen: mir fehlt nichts, ganz im gegenteil. ich bin froh, nicht mehr teil des flohzirkus sein zu müssen.

    • Palmenstrand Says:

      Mir fällt das nicht so leicht – obwohl ich tiefe Verletzungen davon getragen habe an denen ich vermutlich lebenslang kauen muss, kann ich doch eine Form von Milde walten lassen, insofern als ich erkenne, dass was immer der Grund für ihre Verfehlungen sein mag, sie ein Mensch mit Fehlern wie wir alle ist (vermutlich mache ich, obwohl ich mich so sehr bemühe, es nicht zu tun, auch eine ganze Menge falsch als Mutter) – sie lernt jetzt im Alter nicht mehr daraus, wer weiß, ob man das erwarten kann, und ich kann vermutlich nur versuchen, meine eigenen Lehren daraus zu ziehen und irgendwie das beste für mich draus zu machen.
      Brechen mag ich nicht, ich bin da zu, hm, vielleicht sentimental, und komme über den Satz „man hat nur eine Mutter“ nicht drüber…

      • tyndra Says:

        wir sind ja alle anders gestrickt. sie haben offenbar im gegensatz zu mir die fähigkeit der liebe- und verständnisvollen betrachtensweise und letztlich – davon bin ich überzeugt – kommt es immer nur darauf an, die eigenen lehren zu ziehen. es ist also weniger wichtig, wie das gegenüber handelt (weil sich da ohnehin nix wesentliches ändern wird), sondern wie man selber dazu steht.

        sie finden ganz sicher ihre position. mühsam ist immer nur das stochern nach dem richtigen weg. andererseits würden wir uns nicht aufmachen, den zu finden, wenn der leidensdruck nicht groß genug wär.

        ist ein mühsames thema, und ich habe auch die hoffnung, dass unsere kinder eines tages nicht so hart arbeiten müssen, um für sich die fronten zu klären. visonär oder blauäugig? ^^

  6. widerspenst Says:

    Oh, das kommt mir ja so bekannt vor … Nur dass meine Mutter sich nicht hinter Türen, sondern hinter Büchern versteckt oder, wenn sie gerade keins zur Hand hat, im Schweigen versinkt und völlig regungslos dasitzt. Würde es mich nicht so wütend machen, könnte ich sie glatt um diese Fähigkeit beneiden, so absolut unberührt zu bleiben von Streitereien und Diskussionen, die sie mitverursacht hat.
    Es hat lange gebraucht, bis ich begriffen habe, dass daran niemand „Schuld“ trägt, (mein Vater, glaube ich, sieht das bis heute nicht), und bestimmte zwischenmenschliche Situationen, die andere für ganz problemfrei halten, kann ich kaum aushalten.


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