Palmenstrand's Blog

so fern und doch so nah

Unter der Knute der Kinder 13. April 2010

Angeregt durch diesen Blogbeitrag habe ich mir heute viele Gedanken zu meiner Mutterschaft gemacht und bin ausgerechnet in eine Diskussion geraten in der einige Kommilitoninnen über die Betreuungseinrichtungen ihrer Kinder diskutierten. Alle waren sich insofern einig, dass mit das Wichtigste an einem Kindergarten die guten Betreuungszeiten seien.
Ich folgte dem Gespräch, hing so hie und da meinen Gedanken nach, und wurde schliesslich auch zu meiner Meinung befragt.
Unsere Mamasitos besuchen eine Elterninitiative, die sich pädagogisch an Montessori orientiert.
Dies haben wir bewusst so ausgesucht, weil uns die pädagogische Ausrichtung als das wichtigste Kriterium der Wahl eines Kindergartens schien.
Die Betreuungszeit wird hier nicht nach Alter oder Stunden vergeben, sondern orientiert sich daran, wie das Kind den Aufenthalt im Kindergarten jeweils verkraften kann.
So gibt es 4 Jährige, die bereits um 13.00 Uhr abgeholt werden, andere, die bis 15.00 Uhr bleiben und so weiter.
Es ist zugegebener Massen häufig schwierig, meine ausserfamiliären Verpflichtungen mit diesen Betreuungszeiten in Einklang zu bringen, aber wir sind davon überzeugt, dass dieser Blick auf die Kinder genau das ist, was den Kindern am besten tut und somit jongliere ich, allen Widrigkeiten zum Trotz, gerne mit meiner Arbeit, dem Studium und was sonst noch alles dazu gehört.
„Ja wie??“ fragt mich die Mitstudentin, „und dann richtest Du Dich da nach Deinen Kindern, oder was??“ und schaut mich dabei an, als ob sie an meinem Verstand zweifelte.
„Naja“, sage ich, „wenn mein Kind nach einer langen Betreuungszeit im Kindergarten für den Rest des Tages nichts anderes mehr tun kann, als auf dem Boden zu liegen und zu schreien, weil es völlig überfordert und überreizt ist, dann muss ich davon ausgehen, dass die Einschätzung der Erzieherinnen richtig ist, weswegen wir es in der Folge so handhaben.“
„Ja, aber“, setzt die Kommilitonin wieder ungläubigen Blickes an, „da müssen die Kinder halt durch, oder? Also, ich meine, das müssen die dann halt aushalten, die gewöhnen sich doch da dran, und ausserdem (grosse Pause) es kann sich doch auch nicht alles um SIE ( an diese Stelle einen Tonfall für „iih ein Insekt“ hindenken) drehen?!!?“
Die anderen schauen betreten drein, keiner sagt so recht, was er/sie denkt, aber die Blicke sprechen durch die Bank Bände.
Ich bin wie eingangs gesagt ein wenig unschlüssig.
Mache ich mich durch diese Überzeugung zum Knecht meiner Kinder?
Müsste ich sie zu meinen Gunsten durch diese „da müsst Ihr eben durch“ Schule schicken? Falle ich mit meiner Vorstellung von Kindererziehung tatsächlich der Tyrannei der Kinder zum Opfer?!?
Was soll das überhaupt sein: Tyrannei von Kindern? Was bedeutet das? Mich nach den Bedürfnissen meiner Kinder zu richten?

Hier sitze ich und mache mein Ding.
Die Familie, meinen Job, das Studium, nebenbei versuche ich mich am Aufbau eines Gewerbes, das langsam mehr und mehr anläuft,… – ich habe nicht das Gefühl unter irgendjemandes Knute zu stehen, ich bin selbst getrieben und ja, es ist viel, was ich stemme – wie im letzten Beitrag erwähnt manchmal viel zu viel –

aber das ist mein Ding – und darf dann schlussendlich diesem „Viel“ das Wohl der Mamasitos zum Opfer fallen?

Also, wenn ich weiss und sehe, dass mein Kind das Pensum eines 8 Stunden – Kindergartentages nicht schafft, dass es schreit, nachts schlecht träumt, weinend aufwacht, sich wälzt und fortwährend nach der Mama ruft, morgens gleich mal wieder weinend aufwacht und sagt, dass es garnicht mehr in den Kindergarten gehen und stattdessen bei der Mama bleiben möchte,… – dann kann ich doch nicht ernsthaft sagen, „das muss da durch“ – oder? Also ernsthaft?

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6 Responses to “Unter der Knute der Kinder”

  1. Ich habe ja keine Kinder und deshalb keine Ahnung, aber mein Gefühl sagt mir, ich wäre lieber bei Dir Kind als bei Deinen Kommilitoninnen. Liebe Grüße aus dem Zug 🙂

  2. tyndra Says:

    ganz trocken: wer keinen bock drauf hat, sich um seinen nachwuchs zu kümmern, soll auch keine kinder bekommen.

    ein halber tag „auswärts“ ist – wie ich finde – für kinder im kindergartenalter in der regel lang genug, die darauf folgende schule dauert auch nicht länger. spätestens dann beginnt das grosse jonglieren.

    ich hatte im ersten volksschuljahr meines sohnes das experiment halbtagsjob, nach 2 jahren habe ich das hingeschmissen. wegen unvereinbarkeit – und zwar meinerseits.

    es dauert halt eine weile, bis man alles und alle ausgelotet und seine persönliche lösung gefunden hat. und: es wird alles einfacher, je älter die kinder werden.

  3. asinuscanus Says:

    Familie, Job, Studium, Aufbau eines Gewerbes, Kinder, Partner, … Sie wundern sich nicht ernstlich, dass es Ihnen zu viel wird, oder? Und was den Nachwuchs betrifft – wenn man sich nicht um ihn kümmern will, dann sollte man keinen haben. Natürlich nerven sie, sind sie ansprüchlich, rücksichtslos, egoistisch, laut, chaotisch. Natürlich muss man ihnen immer wieder ihre Grenzen aufzeigen. Aber man muss sie auch Kind sein lassen. Sie sollen Kind sein, mit all ihren Rechten und Bedürfnissen.

  4. katerwolf Says:

    schwieriges thema. als mein filius klein war, war ich alleinerziehend, musste studieren und arbeiten und der kleine war mehr oder weniger den ganzen tag bis mindestens 15 uhr, manchmal auch länger, untergebracht, bei tagesmüttern, kindergärten, kinderläden und guten freundinnen. ließ sich nicht anders machen. ich hatte zum teil ein schlechtes gewissen, das weiß ich gut. er hat das aber immer akzeptiert, da ich mit der betreuung immer glück hatte. wenn er gestreikt hätte, weiß nicht, was ich dann gemacht hätte. ich denke grundsätzlich, dass es darauf ankommt, WIE man seine zeit, wie lange sie auch immer ist, mit den kindern verbringt und dass sie nie das gefühl haben sollten, abgeschoben zu werden. ich denke, du machst das richtig und deinen kids werden es dir sicher danken, dass du diesen spagat machst. lass dir nichts einreden! mein sohn ist heute 19 und er weiß, dass ich immer für ihn da war und bin und wir haben ein sehr gutes verhältnis.

    liebe grüße, katerwolf

  5. paulaqu Says:

    Hui, hui! Da haben Sie aber ein heftiges Programm beieinander, liebe Frau Palmenstrand! Mit Kindern, Job, Studium, Partner, Haushalt und dem ganzen sonstigen „Geraffel“ haben Sie aber mal mehr als genug zu tun! Da müßen Sie aber mal gar keine Zeit auf das „Geschwätz“ der Kommilitonen aufbringen! Und, nun, Kinder machen ja irgendwie schon immer das Programm der Eltern mit, sie kennen es ja nur so. Andererseits ist eben jedes Kind anders, das eine schafft den Tag in der Kita gut, das andere eher mäßig gut. Kenne ich hier auch: Kind 1 hält sich seit dem dritten Lebensjahr den ganzen Tag (mit Mittagessen zu Hause) im Kiga auf, Kind 2 ist am Mittag ab drei Uhr so müde, das es nur noch quengelt…also geht es nachmittags nicht in den Kiga, sondern hängt mir am Bein (es wäre für mich einfacher, es wäre in der Betreuungseinrichtung, denn dann hätte ich am Nachmittag eine gute Stunde, um mal ordentlich was „geschafft“ zu bekommen, während der ganz kleine Muggel ruht….aber mir ist der Preis „kreischendes Kind bis zum Zubettgehen“ zu hoch…..). Da richte ich mich auch nach dem Kind. Ist für mich auch in Ordnung so, auch wenn ich da manchmal auf Unverständnis stoße….da mach ich mal ganz „mein Ding“!
    Halten Sie durch, und Kinder sind toll (auch wenn sie oft nerven etc. wie schon hier erwähnt…) und Sie machen das gut!

  6. tyndra Says:

    ähm, um missverständnissen vor- bzw. nachzubeugen: mein einleitungssatz war nicht auf sie bezogen, sondern auf die komilitonin und ihr „da müssen die kinder durch“ ^^


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