Palmenstrand's Blog

so fern und doch so nah

Zwei Seelen in einer Brust 26. April 2010

Filed under: Oups! — palmenstrand @ 5:12 pm
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Heute stand ich im rush – hour Stau, was ich ja gerne mag, wenn ich nicht gerade in Eile bin, was ich aber meistens bin, heute allerdings mal nicht – wo war ich – im Stau, und von der linken Seite kam eine riesige Frau über die Strasse gestakst. Ganz in schwarz gekleidet, enger Rock, Jacket, Seidenstrumpfhose, Stilettosandaletten, aufrechter Gang, wiegende Hüften, sehr geschmackvoll aber eigentlich nicht auffällig, wenn die Frau nicht so riesig gewesen wäre.
Der Verkehr ging etwas vorwärts, ich habe aber angehalten, um die Dame durchzulassen, die sich dann mit dem Gesicht zu mir drehte und mir dankend winkte. In diesem Bruchteil von Sekunden wurde mir klar, dass die Frau ein gebürtiger Mann war.
Die Frau ging weiter und lief in die Richtung, in die ich auch unterwegs war, was mir die Möglichkeit gab, ihr mit Blicken weiter zu folgen.
Alle Menschen, die ihr in der Folge entgegenkamen, grinsten, stupsten sich an, drehten sich um, lachten – und ich frage mich warum.
Mir ging es auch so, dass ich nach dem „Erkennen“ neugierig war, sie noch weiter anschauen wollte – nicht um zu lachen, nicht um mich lustig zu machen, nicht mal, um zu gaffen.

Gerade neulich habe ich ein Interview mit Balian Buschbaum gesehen und mir anschliessend sein Buch „Blaue Augen bleiben blau“ besorgt. Ich bin noch nicht dazu gekommen, darin zu lesen, aber ich finde diesen Lebensweg so faszinierend, beeindruckend und bewegend.
Die Sicherheit zu haben, davon überzeugt zu sein, daraus resultierend einen Weg zu gehen, der so gravierend ist, so einschneidend und manchmal auch unabänderlich – aber trotzdem mit geringerem Leidensdruck verbunden ist, als alles so zu belassen, wie es sich eben nicht gut und vor allem richtig anfühlt.
So klar mit sich selbst zu sein und das dann auch zu leben, wider allem Gegenwind und Lächlern auf der Strasse (die vermutlich das geringste Problem darstellen).

Als der Verkehr dann endlich weiter ging, war ich ganz hin und her gerissen. Ich war wütend, über die Menschen, die so geringschätzig reagiert haben, bewegt, beeindruckt und auch sehr nachdenklich…

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2 Responses to “Zwei Seelen in einer Brust”

  1. Ja, es macht nachdenklich, weil man es nicht nachfühlen kann, wie diese Menschen empfinden? Welcher Schmerz muß sie zerreißen und welcher Mut der Verzweiflung muß sie antreiben, daß sie all dies durchstehen? Ich habe auch so einen Bericht gesehen, neulich, im Fernsehen.

  2. dachfenster Says:

    Wenn man denkt welche Qualen Menschen durchleben und dann diesen Mut aufbringen, auch im Wissen, dass es sie auch nachher immer wieder „belächelt“ werden, ist dies in der Tat beeindruckend und bewegend.


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