Palmenstrand's Blog

so fern und doch so nah

Früher war alles anders = besser?!?! 17. Mai 2010

Filed under: Hey there — palmenstrand @ 9:32 am
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Mir ist aufgefallen, dass ich in den vergangenen Wochen häufig nostalgisiert (gibt es dieses Wort? Mir gefällt es jedenfalls gerade!) und verglichen habe, wie sich meine Kindheit und die meiner Kinder von einander unterscheiden.
Damit meine ich ausnahmsweise nicht den erzieherischen Part, den wir, so hoffe ich, auch etwas anders angehen, als das bei mir war, sondern das aussen herum.

Als ich ein kleines Mädchen war, gab es noch Bäcker. Das Brotangebot im Supermarkt erstreckte sich vom Toast- über das Knäckebrot, es gab Pumpernickel und eine sehr kleine Anzahl an anderen abgepackten Brotsorten.
Brot wurde beim Bäcker gekauft und wo Bäcker draufstand war auch einer drin.
Ich kannte die persönlich, sie kamen während des Einkaufs immer mal wieder bemehlt mit weissem Hütchen auf dem Kopf aus der Backstube.
Letzte Woche kam eine Bekannte zu Besuch und brachte eine Tüte Brezeln und Brötchen mit. Sie schwenkte die Tüte und jubilierte, sie habe einen Bäcker gefunden, der noch selbst backt!!! Ist es nicht eigentlich völlig unfassbar, dass man sich darüber freut, dass man einen ECHTEN Bäcker gefunden hat? Ich finde das total schräg!
Echt jetzt mal – man kann (selbst in Bio – Qualität) von überall auf der Welt Lebensmittel kaufen – das hat Vor- aber natürlich auch Nachteile, wenn man darauf achtet, woher man seine Lebensmittel bezieht, hat es in meinen Augen überwiegend Vorteile, aber das spielt eigentlich keine Rolle.
Ein Teil dieser Entwicklung heute zeichnet allerdings dafür verantwortlich, dass es sich kaum noch lohnt, als Bäcker in einer Backstube tätig zu sein und das finde ich (nicht nur für die Bäcker selbst natürlich und die Qualität der Backwaren) zum Kotzen, sondern für die Kinder!
Ich finde es so schade, dass die Kinder selbst beim Biobäcker nur die nette Frau an der Theke sehen und kennenlernen und nicht mehr das Gefühl von Backhandwerk, einen Eindruck von der Arbeit, die dafür getan wird, etc. mitbekommen.

Das gleiche beim Metzger. Die Tage habe ich eine Kochsendung im Fernsehen gesehen. Der Koch ging in einen grossen Supermarkt an die Fleischtheke und bestellte Hackfleisch. Die Frau hinter dem Tresen sagte ihm, dass er das Hackfleisch dort vorne bereits fertig verpackt im Kühlregal fände.
Das alleine finde ich schon so aarrrrrrrrrrghhhh.
Mir fehlen die Worte, aber es beschleicht mich dabei ein ungutes Gefühl.
Der Koch hat die Frau dann Gott sei Dank gebeten, ob sie ihm das Hackfleisch auch frisch durchlassen könnte, was sie dann auch getan hat – trotzdem!! Das verkommt zu Ware, Ware im Regal, abgepackt, verschweisst im Einheitsregal.
Was dahinter steckt, vielleicht meine ich damit auch eine Form von Respekt gegenüber dem Produkt, geht dadurch komplett verloren.
Ich bin früher mit einem Stoffbeutel zu unserem Metzger um die Ecke geschlendert, der hat selbst geschlachtet und kannte die Kuh mit Namen.
Dazu muss ich sagen, dass wir nicht auf dem Dorf gewohnt haben – sondern in einer Stadt mit fast einer halben Millionen Einwohner.
Man kam in die Metzgerei und war umgeben vom frischen und appetitlichen Geruch der Wurst und des Fleischs, der Metzger hat Kochtips gegeben, den Kindern ein Wienerle in die Hand gedrückt, dass unsere Eltern uns mit gutem Gewissen essen lassen konnten, und dann sind wir, nicht ohne noch Grüsse für den Rest der Familie in Empfang zu nehmen, wieder nach Hause gegangen.

Gestern abend habe ich auf Youtube nach kleinen Filmsequenzen von den Muppets gesucht und bin über die erste deutschsprachige Muppetshow – Folge mit Peter Alexander gestossen. Ich war so ergriffen, das war so ganz klassisches Fernsehen der damaligen Zeit.
Irgendwie langsamer, ein bisschen rührselig, ein bisschen albern, aber gutes, altes, harmloses Fernsehen. Ich habe die Muppets als Kind geliebt – meine Mutter mochte es nicht, wenn wir Fernseh schauten – sonntags war aber der Ausruhtag meines Papas und der brauchte zum Ausruhen häufig den Fernseher und dann schauten wir alle zusammen Muppets, oder Raumschiff Enterprise, oder rauchende Colts, oder Daktari oder Dick und Doof oder so.
Es gab damals nur drei Sender, amerikanisches Serienhighlight waren Denver, Dallas und Falcon Crest – Fernsehen war persé ein Highlight und nicht so „dazugehörig“ wie heute, bilde ich mir ein.
Und natürlich fröhne ich persönlich jetzt als Erwachsene ab und an dem Couchpotatotum und sauge dabei Greys, und wie sie alle heissen, in mich auf – aber wenn es um das Angebot für Kinder geht, also im Vergleich zu den Sendungen, die heute für die Kleinen angeboten werden, finde ich die alten Sachen viel viel schöner, liebevoller und sorgfältiger gestaltet.
(damit meine ich zum Beispiel: Das feuerrote Spielmobil, Rappelkiste, die Muppets, Uhlenbusch, die alten tschechischen Märchenproduktionen und selbst die Sesamstrasse fand ich früher irgendwie netter (Muppetslastiger, kann das sein??)).

Um beim Fernsehen zu bleiben; was habe ich diese Samstagabende genossen, an denen die ganze Familie zusammenkam, der Couchtisch voller Schnittchen stand, Papa das obligatorische Bierchen bekam und wir frisch geduscht im Bademantel noch ein bisschen „Einer wird gewinnen“, „Dallidalli“ oder „Der grosse Preis“ schauen durften.

Ein bisschen ähnlich finde ich, ist es mit der Musik. Jetzt bin ich natürlich ein besonderer Fan älterer Musik (Elvis, Monkeys, Beatles, Stones, Eric Clapton, Dean Martin, Frank Sinatra, Shirley Bassey, Bing Crosby, Barbra Streisand, Joan Baez, Cat Stevens, Bob Dylan, Led Zeppelin, Deep Purple,…), aber ich bin auch davon überzeugt, dass es diese ist, die einen ganz besonderen Wert hat, die die Jahrzehnte weiter überleben und immer wieder als beispielhaft herangezogen werden wird. Nicht nur wegen der Songs sondern sicherlich auch wegen des Zeitgeistes – ich bezweifle, dass in 50 Jahren von Lady Gaga gesprochen werden wird – nichts gegen Lady Gaga, aber Sie verstehen schon?!?

Ich sehe mich, bzw. uns als Eltern natürlich vor allem in der Pflicht, unseren Kindern Qualität zu bieten, dazu gehört für uns ein intensiver Umgang mit der Natur – wir haben einen Garten, ziehen unser eigenes Gemüse, Obst und Salat, gehen bei jedem Wetter raus und viel in den Wald und bemühen uns durch die Bücher, Spiele & Unternehmungen, die wir den Kindern anbieten, Werte zu vermitteln, die uns wichtig erscheinen
(ok, jetzt verfranse ich mich, irgendwie komme ich nicht dahin, wo ich hin möchte)

aber das Langsame, das Unbeschwerte, Unschuldige, diese scheinbar heile Welt, die ich als Kind erleben durfte, selbst ohne gänzlich von den Medien ferngehalten zu werden, so ganz besondere, dauerhafte, ein Leben lang begleitende Impressionen – ich finde es nicht zuletzt aufgrund vieler heutiger Gegebenheiten (platt: der Schnelllebigkeit) sehr sehr schwer, das auch an meine Kinder weiterzugeben.

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8 Responses to “Früher war alles anders = besser?!?!”

  1. Lebensumbau Says:

    Das Gefühl kenne ich gut. Mir fällt auf, dass in den Städten und besonders in meiner Geburtsstadt viele kleinere Läden in welchen ich schon als Kind gerne mit meinen Eltern gekauft habe einfach nicht mehr da sind, statt dessen findet man blöde franchaise Läden. Daran merke ich, dass ich älter werde. Nicht das mich das stören würde, denn mein Leben wurde mit jedem Lebensalter immer besser (oder ich abgeklärter, wer weiß) aber mir fehlen diese Momente der Individualität die sich aufbaut sobald man einen solchen kleinen Laden betritt. Als Kind bekam ich beim Metzger immer ein kleines Stück Fleischwurst in die Hand gedrückt. So was gibt es heute gar nicht mehr und micht nervt das genau so wie dich. Fazit ist, dass ich nur noch das nötigste wie üblich kaufe und den Rest über das Internet beziehe. Traurig aber wahr :-(. Übrigens sind die „Peanuts“ und die „Augsburger Puppenkiste“ auch noch zu empfehlen. LG vom Lebensumbau.

  2. SusiP Says:

    Ach ja, *seufz*

    so war das damals. Samstagabend Unterhaltungsshow Kuli, Am laufenden Band usw), dann Sportstudio und dann noch einen Western mit meinem Pa, dazu ein Brötchen mit Esrom-Käse. Na klar haben wir freitags Falcon Crest geguckt und davor gab es noch irgendwann die Onedin-Line.

    Über die Muppets hab ich gerade vor ein paar Tagen mit meinem Mann gesprochen, die wiederholen so viel Quatsch, warum das nicht? Das war doch total witzig und mit Liebe zum Detail gemacht.

    Tja, was unsere Kinder wohl so mitnehmen und später drüber seufzen?

    Das Abgepackte hat wohl eher den Hintergrund (und womit die Hektik bewiesen wäre) eben nicht warten zu müssen. Auch nicht sprechen zu müssen.

  3. chinomso Says:

    Kann das sein, dass wir ca. ein Jahrgang sind? Das kommt mir alles sehr sehr bekannt vor.

    Ich nenne das Werarbeit. Die geht verloren. Alles wird industriell produziert, weil dann der Gewinn größer ist.
    Und man meint, man tut den Leuten einen Gefallen, wenn es in einem Markt alles gibt…einmal hin alles drin.

    Mich macht das auch traurig.
    Als kleines Mädchen habe ich auch Brot aus der Hintertür beim Bäcker bekommen, weil ich den Stoffbeutel vorne im Laden nicht über die Theke reichen konnte. Auf dem Rückweg habe ich öfters mal das Brot angeknabbert. Wenn meine Mama dann sehr erstaunt tat und meinen Vater dazu rief und meinte: „Schau dir das an, wir haben Mäuse! “ dann kicherte ich wie auf Knopfdruck. Das war sooooooooooo schön. Und das können wir unseren Kindern nicht mehr bieten.

    Was soll man nur machen?

  4. Daxie Says:

    Ich kann mich mit meinen 41 Jahren mit diesem Artikel absolut identifizieren. Aber zum Thema kleine Laeden, dass es die nicht mehr gibt, haben wir und unsere Eltern/Großeltern „auf dem Gewissen“.
    Die kleinen Laeden koennen und konnten nie so guenstig sein, wie nun mal die großen Ketten. Meine Mutter hatte bis in Mitte 70ger einen etwas goeßeren „Tante-Emma-Laden“ und als die ersten Supermaerkte eroeffneten, fand ploetzlich keiner mehr den :persoenlichen Kontakt“ und die Frische interessant, sondern lediglich der Preis zaehlte.
    Von dem Kilo Zucker, dass man im Supermarkt vergessen hatte und dann eben um die Ecke kaufte, kann und konnte kein Geschaeft leben.
    Was mit den Supermaerkten anfing, setze sich mit den großen Bekleidungsgeschaeften fort und so weiter.
    Daher gibt es halt nun mal heute in den meisten Staedten nur noch Ketten und Franchise-Laeden.
    Allen Anderen ist schon vor langer Zeit das Wasser abgegraben worden.
    Wenn wir also daran etwas aendern wollen, sollten wir eben, wenn moeglich, die vorhandenen Laeden unterstuetzen.

    • palmenstrand Says:

      Ja, Daxie, ich glaube, dass Du mit dieser Annahme natürlich völlig Recht hast.
      Vermutlich auch völlig nachvollziehbar: die grosse weite Welt lockt aus den Supermärkten – und ich kann mich erinnern, wann immer ich in den USA war, bin ich staunend wie ein kleines Kind an Weihnachten durch die rieeesigen Supermärkte dort gelaufen und war mir sicher, im völligen Glück zu sein.
      Ich weiss nicht, wie es eine Kompromisslösung geben soll, denn letztlich habe ich schon den Eindruck, dass es eine Bewegung zurück gibt: eben zu mehr Wert, mehr Qualität und auch dahin, das Handwerk wieder mehr zu unterstützen. Nichts desto Trotz bleibt die Frage des Preises, und um das Beispiel des Bäckers nochmal aufzugreifen, viele Menschen können sich trotz des Wunsches nach einer besseren Qualität, den Gang zum Bäcker nicht leisten, zumal, wenn der SB – Bäcker, der mittlerweile auch überall um die Ecke ist, das Brötchen für 15 cent verkauft…

  5. dachfenster Says:

    Die gute ? alte Zeit. Manche Entwicklungen haben aber auch ihr gutes. Siehe: Die Möglichkeit, dass wir uns auf diesem Weg über das Thema unterhalten können. Unter den veränderten Einkaufsgewohnheiten leide ich persönlich sehr und es ist auch ein Grund dafür, dass ich gesundheitliche Probleme habe. Auch unser kleines Fachgeschäft hat kaum noch eine Chance sich gegen die „Großen“ zu behaupten. Da türmt sich ein riesiger Berg vor mir auf. Denn in einem Familienbetrieb, geht es nicht nur ums Geschäft, sondern eben auch um die Familie.

  6. tyndra Says:

    ich glaube, es liegt in der natur der sache, dass man das vergangene immer ein bisschen romantisiert sieht. unsere kinder werden, wenn sie eines tages zurückblicken, andere dinge nennen, die sie in ihrer kindheit gern hatten und schätzten und sie werden um andere werte trauern, die ihren eigenen kindern verloren gehen. oder?

  7. Kath Says:

    Hach, das ist ja Nostalgie pur, dieser Text!
    Als „Kind der Achtziger“ kann ich mich noch nicht mit Allem hier Gesagten identifizieren – aber ich stimme dir grundsätzlich zu: Auch ich erwische mich mittlerweile manchmal schon dabei, wie ich sage: „DAS haben WIR „damals“ nicht gehabt /gemacht.

    Zum Thema Fernsehen und Samstagabend-Shows: Oh ja, erst gebadet, dann mit der ganzen Familie „Schnittchen“ gegessen und dann Familienshows geguckt (ich glaube, Linda de Mols“Traumhochzeit“ werde ich z.B. ein Leben lang nicht vergessen, weil ich das als kleines Mädchen immer sooo toll fand 🙂 ).

    Jaja, die gute alte Zeit…aber wer weiss, in zwanzig Jahren werden wir vielleicht sagen: „Ach, wie war das damals noch schön mit dem „guten alten iPhone“ / Facebook etc….Laptops kennen unsere Kinder dann vielleicht nur noch aus alten Filmen, wer weiss….?


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