Palmenstrand's Blog

so fern und doch so nah

Ravioli aus der Dose 19. Mai 2010

Ravioli aus der Dose, bei mir hat die Nostalgiewelle voll eingeschlagen.
Heute morgen war ich einkaufen, schwebe so durch die Supermarktregale und möchte eigentlich nur Tomaten in der Dose kaufen, eines der wenigen Lebensmittel, die bei uns aus der Konserve kommen, und da standen sie:
Ravioli!!

Wie im Sog wurde ich zum Regal hingezogen, „kauf mich, kauf mich“ schienen sie zu schreien!!
„Erinnere Dich an Deine Kindheit, erinnnere Dich an zahlreiche Campingurlaube mit Freundinnen, sei verrückt, fühl die Jugend, fühl die Freiheit…“

„Ach ja, Ihr habt ja so Recht!“ und dann habe ich, die sonst Ravioli selbst macht, weil sie nicht erträgt, nicht zu wissen, was da bei gekauften wirklich drin ist, ich, die über Tiefkühlpizza die Nase rümpft, weil die nie so frisch und lecker sein kann, wie selbst gemachte – und vor allem am Ende garkeinen echten Käse drauf hat, ich, die nach Möglichkeit nicht mal geforenen Spinat kauft, ich habe 3 Dosen Ravioli gekauft und dabei von einer Backe zur anderen gegrinst (…und aus allen Zwängen fliehn…)

Ich bin wirklich stolz auf mich!!!

Und jetzt alle:

Nachdem ich gerade nochmal über diesen Beitrag nachgedacht habe, stelle ich mir die Frage, wann es angefangen hat, dass ich mit angezogener Handbremse durchs Leben gehe?
Ich war noch nie ein sehr draufgängerischer Typ, habe abgewogen und mich dann aber durchaus auchmal für die riskante Variante entschieden, vieles ausprobiert, blöden Quatsch gemacht und eine Menge Spass dabei gehabt.
Konnte ich das, weil ich das Netz in Form meiner Eltern hatte?
Weil ich noch keine wirkliche Verantwortung getragen habe und daher wirklich eine andere Freiheit gelebt habe, als das heute möglich ist?
Gehört diese angezogene Handbremse zum Erwachsenenleben?
Wird man so, wenn man Verantwortung übernimmt?
Engt Verantwortung denn ein?
Sollte sie denn nicht eigentlich bereichern, beglücken, stolz machen und erfreuen?

Ich muss darüber jetzt ein bisschen grübeln – und in etwa 2 Stunden mache ich uns dann die Ravioli warm 😉

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9 Responses to “Ravioli aus der Dose”

  1. Emily Says:

    Ich habe die sogar kalt aus der Dose gegessen 😉 und ich glaube, ich würde es wieder tun. Nur so, um mal zu testen wie es war. Ist es möglich, dass wir alle irgendwann an so einer Kreuzung ankommen und uns derartige Fragen stellen? Ich höre Bedenken wie diese oft und mir geht es ähnlich. Mir fehlt seit einiger Zeit ein Teil von mir und ich weiß nicht wo es geblieben ist. Aber ich habe den Verlust festgestellt und dass es mir nicht gefällt, dass es nicht mehr da ist.

    • palmenstrand Says:

      Und wie geht die Suche nach dem verlorenen Etwas von Statten? Welche Fragen muss man sich stellen, muss man sich überhaupt Fragen stellen, oder kann man vielleicht im Moment des Bemerkens schon wieder einen Schalter in eine andere Richtung umlegen?! Ich kanns nicht – Sie?

  2. zimtapfel Says:

    Aaaaah, Dosenravioli! Früher habe ich da etwa einmal im Jahr eine große Portion von verschlungen, danach war mir schlecht und ich hatte wieder ungefähr ein Jahr keine Lust mehr darauf, irgendwann bekam ich dann wieder Appetit und dann wieder von vorn… 🙂

    • palmenstrand Says:

      Bei uns war das das Kochunlustessen meiner Mutter, meistens samstags (was sie jederzeit bestreiten würde „üüüch, nieeee habe üüüüüüüch Ravioli (angewiderten Ton denken) „gekocht“!!!“) oder dann das Campingurlaubessen. Dose aufn Gaskocher und los. 🙂

  3. SusiP Says:

    Jau, hatten wir auch immer im Keller ´ne Dose stehen. Gleich neben der blauen Mockturtle-Dose. *schüttel*

  4. katerwolf Says:

    liebe frau palmenstrand, ravioli-nostalgie aus der dose. ich kenn das auch, dass ich manchmal anknüpfen will an früher und dinge mache, die eine brücke schlagen. z. bsp. reiten und mir dabei dann den rücken zerren 😉
    warum macht man das? ich glaube tatsächlich, dass es auch mit angst zu tun hat, angst vor der vergänglichkeit der zeit.

    das, was du über die angezogene handbremse schreibst, das ist echt so ne sache. warum macht man das ab an einem bestimmten zeitpunkt? hat man ab irgendwann angst vor dem leben und warum? mir geht das seit meiner erkrankung auch sehr durch den kopf und ich merke, dass ich jetzt anders darüber denke. irgendwie befreiter.

    liebe grüße, katerwolf

  5. grethe Says:

    Also es gab eine Zeit da gab es bei mir mehr oder weniger regelmäßig Ravioli aus der Dose. ‚Kochunlustessen‘ – toller Ausdruck und trifft genau den Punkt. 🙂 Hab gerade noch vor 2 Wochen mal davorgestanden und überlegt, sie mal wieder zu probieren. Aber „Herr Grethe“ würde da nicht mitspielen und sicherlich meutern.
    Was die angezogene Handbremse anbetrifft – dies Gefühl bekommt wohl jeder irgendwann. Sicher hat es etwas mit dem Erwachsenwerden, Verantwortung für Familie usw. zu tun. Man wird ganz langsam von den alltäglichen Aufgaben vereinnahmt und alles ordnet sich dem Vernunftdenken unter. Das ist ja auch gut und irgendwie auch richtig. Aber darauf achten, dass so ein bißchen Freiraum für Ausgelassenheit und Spontanität erhalten bleibt, das sollte man schon. Ist nicht immer leicht aber Ihr darüber nachdenken ist schon ein richtiger Anfang. Nun bleiben Sie dort nicht stehen – schaffen Sie sich wieder diesen kleinen Freiraum und seien sie mal wieder übermütig, ausgelassen und ein bißchen unvernünftig. Sollen die anderen doch ruhig über diesen „blöden Quatsch“ den Kopf schütteln. Hauptsache ist doch, dass Sie sich wieder ein bißchen befreiter und weniger ausgebremst fühlen.
    Herzliche Grüße – Grethe

  6. dachfenster Says:

    Aufpassen! Alles läuft weiter und bei angezogener Handbremse blockieren dann auf einmal die Räder. Nix passt mehr. So wie grethe es sagt: Freiraum für den „blöden Quatsch“ erhalten oder wieder schaffen ist bitter nötig.


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