Palmenstrand's Blog

so fern und doch so nah

Philosophier in der Gegend rum 2. Juli 2010

Die Tage haben meine Freundin und ich über das Leben philosophiert. Über das Leben als Frau im Allgemeinen.

Ich habe jetzt während der Sommertage so viele junge Mädchen knutschend mit ihren Freunden gesehen und bin zu dem Schluss gekommen, dass das alles so nicht gut gehen kann.

Äh ja, wie meine ich das jetzt?

Hervorgerufen wurden diese Gedanken durch den Albert und seine Charlene – jaja, den Monegassenfürsten und sein Seepferdchen. Im Urlaub lese ich bevorzugt Boulevardpresse, zum einen, weil dies oft die Einzige ist, die man bekommt, zum anderen auch, weil mehr als leichte Kost für den Urlaub nicht gestattet ist. So.

Jetzt stand da nach der Schwedenhochzeit, dass Fürst Albert und Charlene Wittstock sich verlobt hätten und das sei ja so spät, immerhin sei er schon 52 und sie immerhin auch schon 32 und blabla.

Eigentlich, so finde ich, haben die beiden es doch genau richtig gemacht. Er hat sich nach Herzenslust ausgetobt, sich in den Bob geschmissen, dabei sein ist alles, uneheliche Kinder gezeugt, Nackepos auf Jachten eingecremed (ich war schon oft im Urlaub 😉 ) und so weiter. Sie war immerhin erfolgreiche Schwimmerin, hat die Welt bereist, vermutlich auch schon das ein oder andere gesehen und erlebt naja und jetzt ist sie eben angekommen.

Ich finde das gut. Das ist ein gutes Alter, um zu heiraten und eine Familie zu gründen.

Warum ich das sage? Weil ich mir überlege, ob es wirklich möglich ist, mit einem Menschen allein glücklich zu werden, wenn man vorher nicht die vielen verschiedenen unendlich scheinenden Facetten des Lebens kennengelernt hat. Wenn man frei und ungebunden war. Freiheit und Ungebundenheit gelebt hat. Sich selbst kennengelernt und genossen hat, bei sich selbst angekommen ist also.

Auch in puncto Sex. Wenn es darum geht, eine erfüllte Sexualität zu haben, bin ich davon überzeugt, muss man sich ausprobiert haben.

Natürlich ist die Vorstellung schön, dass man jungfräulich in die Ehe geht und dann ein Leben lang nur mit einem Partner Sex  hat – aber ich glaube nicht daran, dass man mit einem Partner alleine lernen kann, das zu geben und zu nehmen, was letztlich dazu beiträgt, dass das ganze wirklich und zwar beiden Spass macht.

Und was, wenn sich herausstellt, dass die Frau oder der Mann auf bestimmte Praktiken stehen würden, die aber der Partner nicht teilt – nie ausprobiert, nicht gewusst aber verheiratet und jetzt?

Wie oft lese ich in Frauenforen (gerade neulich wieder): Wie oft kommt ihr (wenn ihr kommt) beim Sex?

Und da lassen sich dann unzählige Frauen darüber aus, dass das ja nicht das wichtigste ist, blabla.

Da stehen mir die Haare zu Berge. Ich gebe ja zu, dass das nicht das wichtigste ist – aber ich glaube, dass ein wirkliches Bewusstsein über den eigenen Körper, nur durch Erfahrung erreicht wird und wenn man weiss, wo es gut tut, dann kann man das auch vermitteln und dann lässt man sich nicht 20 Jahre lang vom Mann durchnudeln, um sich nebenbei in Foren darüber zu beschweren, dass man aber beim Verkehr als solches garnicht kommt, der Mann das aber garnicht weiss, die Betreffende aber nicht weiss, wie sie das jetzt ihrem Mann erklären soll und sie deshalb alles beim alten belässt. Mann Mann Mann.

Ja ach.

Gut, also Erfahrung.

Meine Freundin Tina hat mit 14 ihren Freund Peter kennengelernt. Die beiden waren 10 Jahre lang ein Paar und er war ihr erster und einziger Mann. Kurz vor der geplanten Eheschliessung lernte sie auf den Malediven einen unfassbar tollen Mann kennen, der sie so geflashed hat, dass sie sich von Peter getrennt hat, um mit dem anderen Mann zusammen zu sein. Wenig später folgte die Heirat und nach wenigen Jahren wurde die Ehe wieder geschieden.

Tina, die nun Mitte Dreissig ist, lebt jetzt zum ersten Mal, seit sie 14 ist, als Single und geniesst dieses Leben aus vollen Zügen. Sie sagt von sich selbst, dass sie ein absolutes Defizit an LEBEN hat. Im Nachhinein wäre es besser gewesen, erst Single zu sein, sich umzuschauen, zu reisen, zu flirten, vielleicht die ein oder andere Bekanntschaft mitzunehmen, aber sich dabei erst selbst kennen zu lernen.

So sehr sie die Freiheit jetzt geniesst, sie hört auch die Uhr ticken. Ein Kind bekommen, doch noch einen Mann kennenlernen, mit dem es passt – allerdings will sie gerade garkeinen Mann mehr, das Kind aber irgendwie schon – ganz schön vertrackt. Und vermutlich garnicht so selten.

Ja, so – was immer ich damit sagen wollte – ich habe es vergessen.

Vielleicht, dass es gut ist, wenn man das Leben erstmal auskostet, Erfahrungen macht.

Nicht dass eine frühe Bindung nicht auch eine wertvolle Erfahrung ist (ich rede mich hier gerade um Kopf um Kragen), aber irgendwie, wenn ich mich gerade so umschaue, stelle ich fest, dass die, die sich früh gebunden haben, jetzt gerade mitten in einer Lebens- oder Sinnkrise stecken und ich frage mich, ob das zu verhindern wäre, wenn man mit allen Verbindlichkeiten einfach erst ein wenig später anfängt?!

Gerade frage ich mich, ob vielleicht die ein oder andere midlife crisis auch zu verhindern wäre, wenn die Männer sich so richtig austoben würden? Vielleicht so wie der Albert – wir werden es vermutlich erleben…

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4 Responses to “Philosophier in der Gegend rum”

  1. SusiP Says:

    Unterschreib ich deine Ansichten und Erfahrungen (und durchnudeln ist ein schönes Wort). Ich denke auch, dass früher oder später eine Phase kommt, in der solche Unausgetobten meinen etwas verpasst zu haben oder nachholen zu müssen.

    Allerdings finde ich den Altersunterschied immer bedenklich. Geld macht nun mal sexy und es gibt genug Frauen, die es nur darauf anlegen einen „Promi“ zu heiraten, am besten noch mindestens ein Kind mit ihm, das gibt ordentlich Unterhalt.

    Natürlich, selbstverständlich ist das bei Frauen mit jungen Männer gaaaaanz anders.

  2. asinuscanus Says:

    Gute Gedanken, nachvollziehbar auch für mich, als Mann. Und auch übertragbar auf das andere Geschlecht. Junge Männer haben keine Ahnung von Frauen und sind auch nicht daran interessiert, welche zu haben. Sie sind zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Junge Frauen vermutlich auch. Um eine erfüllende und befriedigende Partnerschaft zu haben, muss man ein wenig älter sein – und am besten schon Kinder haben. Man muss seine Bedürfnisse kennen und akzeptieren, ebenso wie man die Bedürfnisse des anderen kennen und akzeptieren muss. Das geht nicht mit Mitte 20. Eher mit Mitte 40. Mit Midlife-Crisis hat das nichts zu tun; eher damit, endlich richtig erwachsen zu werden.

  3. dachfenster Says:

    Vor ewig vielen Jahren sagte mal eine Freundin zu mir: Ich kann nicht verstehen, dass Du so früh Kinder (knapp 25 und gleich 2) bekommen wolltest. Lerne und genieße doch erst mal das Leben. Heute, mit Mitte 40, verstehe ich was sie damit meinte.

  4. Daxie Says:

    Unterschreibe voll und ganz, Frau Palmenstrand. Ich sehe das genauso. Jetzt wo so langsam aber sicher die Mitte meines Lebens herannaht, zehre ich von all den Erfahrungen der Vergangenheit. Haette ich all diese nicht gemacht, waere ich heute nicht gluecklich verheiratet. Ok, ich habe auch erst mit 37 geheiratet, na und 🙂
    Und dieser Schwachsinn: „das ist doch nicht das Wichtigste…“ Klaro ist es das nicht, aber eine erfuellte Sexualitaet gehoert eben zu einer funktionierenden Partnerschaft dazu. Punkt.
    Das gehoert eben auch dazu, wenn man Erfahrungen gesammelt hat, das man die Qualitaet schaetzen lernt…
    Altersunterschiede finde ich dagegen etwas schwierig. Mein Mann ist 8 Jahre juenger als ich und ich ziehe die Grenze dort, wo jemand altersmaessig mein Kind sein koennte. Es ist einfach eine andere Generation und es fehlen gewisse Gemeinsamkeiten, die man nur hat, wenn man eben ungefaehr in der gleichen Zeit aufgewachsen ist.
    Hoert sich nebensaechlich an, ist aber -zumindest fuer mich- wichtig, da es auch mit einem bestimmten Lebensgefuehl verbunden ist, was man nicht vermitteln kann.
    Dieser Jungefrauenquatsch finde ich unertraeglich und sehe absolut keinerlei Vorteile darin, NUR Nachteile.


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