Palmenstrand's Blog

so fern und doch so nah

The greatest love of all 12. Februar 2012

Filed under: Hey there,love it,Song of the day — palmenstrand @ 8:38 am

Mein Papa war nicht so der Papa zum Anfassen. Ob das an seiner eigenen Erziehung lag, dass er mit Kindern unbeholfen war, ob es daran lag, dass meine Mutter die Rollenaufteilung „Mutter ist für die Kinder, Vater für die Arbeit und die Kinder fürs funktionieren zuständig“ völlig festgefahren abgespult hat, keine Ahnung. Auf jeden Fall weiß ich, dass ich mich immer dagegen gewehrt habe.

Ich habe meinen Papa immer mit Dingen überfallen,  die absolut aus seinem Zuständigkeitsbereich heraus fielen – zu ihm hatte ich grenzenloses Vertrauen, also bin ich einfach zu ihm gegangen – und obwohl er damit meistens erstmal ziemlich überfordert war, hat er mich nie enttäuscht.

Wenn es um meine Mutter ging, hätte ich vermutlich nie ins Kino gehen dürfen. Meine ganzen Klassenkameraden durften damals E.T., die unendliche Geschichte, Ferris macht blau, Zurück in die Zukunft und und und anschauen. Mein einziger Film bis Dirty Dancing war „Susi und Strolch“ – und für Dirty Dancing habe ich mich heimlich und unter tausend erstunkenen und erlogenen Vorwänden aus dem Haus gestohlen.

Musik habe ich am liebsten ohrenbetäubend laut gehört und dabei mitgesungen, dass es die ganze Strasse hören konnte – irgendwie verständlich hat meine Mutter diese Leidenschaft nicht geteilt – mein Vater hingegen schon, der zwar nicht mitgesungen hat, seine Musik aber meistens auch wändeübergreifend aufgedreht hat. Ganz oft haben wir CDs ausgetauscht, seine Musik, von Dire Straits, Simon & Garfunkel, Joan Baez, Bob Dylan, Cat Stevens, Barbra Streisand,…habe ich mit Begeisterung in mich aufgesogen, für (damals) „neuere“ Musik konnte er sich stundenlang begeistern.

Seine und meine Liebe galt unter anderem der Musik von Whitney Houston und irgendwann landeten wir gemeinsam im Kino und schauten uns „The Bodyguard“ an. Ich war so aufgeregt! Das kann sich keiner vorstellen, der meinen Papa nicht kannte. Das war kein Papa, wie es meine bessere Hälfte ist, der hat nicht mit uns Sandburgen gebaut und Geschichten vorgelesen – der ist arbeiten gegangen, hat die Puschen an die Füsse und das Bier in die Hand bekommen und Geld nach Hause gebracht (ob er das so wollte, sei dahin gestellt) – naja und mit diesem Papa zusammen, bin ich dann ins Kino gegangen. Wir haben Popcorn geteilt und den Film geschaut. Wenig später hatten wir beiden den Sountrack zu Hause und das ganze Haus hat gebebt.

Ich glaube, mein Papa wäre bestürzt gewesen, vom Tod Whitney Houstons zu hören, ihre Musik hat ihm viel bedeutet und das „I will alway love you“ war das Lied von seiner Frau und ihm.

Ich bin auch bestürzt, weil es wieder ein Mensch aus meiner Kinder- und Jugendzeit ist, der wegstirbt, weil Whitneys Zerfall in den letzten Jahren tragisch war, weil ich mir ihr letztes Album gekauft habe und versucht habe, optimistisch zu bleiben und nicht enttäuscht zu sein, weil auf einmal wieder so viele Erinnerungen hochkommen und ich mir manchmal wünschte, man könnte die Zeit festhalten.

 

 

 

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2 Responses to “The greatest love of all”

  1. ladidaladida Says:

    Wenn jemand berühmtes stirbt, zu letzt war´s Winehouse, gibt es eine Gruppe von Leuten, die gleich aufschreien, dass in Afrika jeden Tag so und so viele Kinder verhungern oder beim letzten Terroranschlag so viele Leute umgekommen sind und kein Hahn danach kräht. Erstens kräht ein Hahn danach, sonst würde es nicht Kriegsgegnerinnen geben und Menschen, die jeden Monat bisschen Geld an NGO und NPO spenden. Zweitens glaub ich – und Dein Eintrag bestätigt das – wird man, wenn eine Berühmtheit stirbt, an seine eigene Sterblichkeit erinnert, aber auch an die Leute, die von einem gegangen sind.
    Es ist schön zu sehen, dass es zumindest eine Person da draußen gibt, die durch den Tod von Houston auch an Geschichte aus dem eigenen Leben erinnert wird. Geschichten, die man vielleicht sogar vergessen hat und eine nachdenklich machen.

  2. andrea2110 Says:

    Liebe Palmenstrand, ich habe lange überlegt, ob ich auch noch etwas über Whitney schreiben soll und ich bin froh, dass ich es getan habe und ich freue mich, auf so vielen Blogs von ihr zu lesen. Irgendwie ist das wie ein Abschiednehmen… all die Erinnerungen, die hochkommen; Deine Erinnerungen sind sehr schön! auch ich habe die letzte CD aus Optimismus gekauft und mit Schrecken Whitney’s Zerfall mit angesehen. Ich hoffe, sie hat jetzt ihren Frieden. Liebe Grüsse Andrea


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