Palmenstrand's Blog

so fern und doch so nah

Lektion 1 11. März 2012

Filed under: Hey there — palmenstrand @ 1:37 pm

Meine Therapeutin meint ja, ich hatte vor allem materielle Sicherheit, bei der emotionalen hat sie so ihre Zweifel. Ehrlich, ich weiß es auch nicht. Natürlich sind wir behütet aufgewachsen – mitunter dämmert mir, dass dieses „behütet“ vor allem durch „mit Zwängen“ ersetzt werden kann.

„Man macht, war sowohl der Lieblingssatzanfang meiner Mutter, als auch meiner Tante, die ab einem gewissen Alter etwa den gleichen Stellenwert innehatte, wie meine Mutter“.

Meine Therapeutin nennt die „man macht“ – Sinneshaltung schlicht „mehr Schein als Sein“, weil es eben immer um die Aussenwirkung geht.

Wie kommt was nach außen hin an und was denken die Leute, wenn ich mich so oder so verhalte – bzw. wie verhalte ich mich so, daß niemand etwas über mich zu sagen hat – nichts negatives, versteht sich, positives wird gern genommen..

Ich habe dieser Aussage häufig widersprochen,  weil mir als guter Tochter nie eingefallen wäre, die Erziehung meiner Eltern so kategorisch mit dem Rotstift zu behandeln, nichts desto Trotz kann ich nicht umhin festzustellen, dass viele meiner Schwierigkeiten und Unsicherheiten im Leben daher stammen, dass ich ein kleines Teufelchen im Ohr sitzen habe, das „man macht..“ ruft.

Ganz stimmt das auch wieder nicht, die Schwierigkeiten und Unsicherheiten haben im Grunde erst dann begonnen, als ich gemerkt habe, dass sich „man macht..“ für mich (vielleicht nicht gänzlich) aber immerhin häufig doch so ungut anfühlt, dass ich dagegen angehen muss.

Gestern ist es mir selbst aufgefallen, als ich mich für einen Wohnungsbesichtigungstermin zurecht gemacht habe, die Kinder ins Weihnachtsoutfit gesteckt habe und mir zu guter Letzt ernsthaft überlegt habe, ob es vielleicht besser ankommt, wenn ich mein Nasengold für diesen Termin entferne. Wenns mir auffällt, kann ich manchmal die Bremse reinhauen, „man macht“ den Mittelfinger zeigen und gegensteuern – aber ich bin nicht immer so stark, weiß nicht, was richtig ist und was falsch und fühle mich in dem Wirrwar gänzlich unzulässig und nicht normal.

Ich habe nie etwas anderes als „man macht“ kennengelernt – und auf mein Gefühl zu vertrauen, war so ziemlich das letzte, das mir beigebracht wurde, .. und so fühle ich mich manchmal selbst noch wie ein Kind, das herausfinden muß, wo es hingehen soll.

Wenn ich die Wahl hätte, würde ich mich lieber gerne wie ein Kind fühlen, das rumtoben, spielen und auf Bäume klettern mag – komischer Weise bin ich dafür im Geiste wiederum zu alt.

Momentan lerne ich also gerade, mich davon unabhängig zu machen, was über mich gesagt und gedacht wird – nicht einfach nur so tun „ph, mir doch egal“, sondern wirklich aushalten lernen, dass mich nicht jeder mag, nicht jeder gut findet, wie ich mich kleide, was ich sage und mache etc. (und davon gibt es beängstigend viele) – das ist garnicht so einfach…

whitney-houston-greatest-love-of-all

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5 Responses to “Lektion 1”

  1. Ansku Says:

    Das ist irgendwie toll geschrieben, so klar. Ich drücke Dich feste und wünsche Dir alles Gute und viel Kraft für diesen Weg, für Lektion 2.3 und 4.
    Nach meinem Urlaub Dudusu? Ich freue mich sehr. ❤

  2. Ich wünsche Dir auch ganz viel Erfolg auf diesem schwierigen Weg. Alles Liebe für Dich.

  3. palmenstrand Says:

    Ich danke Euch, aber wenn Ihr das so schreibt, hört es sich ein bisschen so an, als ob ich zu einer Beerdigung müsste – so ist es nicht. Es ist nicht leicht und ich bin häufig verunsichert in dem was ich tue und denken soll – aber es ist ein schönes Abenteuer mir zugestehen, SEIN zu dürfen und nicht danach zu handeln, wie andere es vielleicht gut finden würden. Das mit dem Handeln und dem SEIN gelingt mir schon ganz gut – die Reaktionen darauf auszuhalten muß ich noch lernen :o)))

  4. tyndra Says:

    ich kenn das sehr lebhaft. weißt du, was mir geholfen hat? was immer du auch tust und wie richtig das auch ist: es wird IMMER leute geben, die das nicht ok finden und dagegen anmeckern. es gibt keine belohnung für ewiges bemühen.
    da kannst doch gleich die dinge so machen, dass sie sich für dich richtig anfühlen 😉
    [und daneben auch noch den leuten stoff zum tratschen geben. die, die das machen haben nämlich eh sonst nix in ihrem leben und würden elendiglich verrecken, wenn sie nix mehr zum künstlichen hyperventilieren hätten :D]


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