Palmenstrand's Blog

so fern und doch so nah

In memoriam 15. April 2013

Filed under: Autsch!! — palmenstrand @ 5:44 am

Als ich vor 10 Jahren das erste Mal schwanger war, stand ich in einem Arbeitsverhältnis, in dem ich maßgeblich zum Erfolg des  Unternehmens beigetragen habe. Mein damaliger Chef nahm sich eine Auszeit, die verbrachte er während der Bürozeiten in seinem Büro, bei Partnerbörsen nach neuen Mädels Ausschau haltend, beim ersten Kennenlernen derselben in nahegelegenen Cafés (ebenfalls während der Bürozeiten) oder im „Nahkampf“ bei verschlossener Bürotüre (na wann wohl).

Für mich war das ok, weil mir sein nicht vorhandener Arbeitseinsatz die Chance gab, komplett frei und selbständig zu agieren.

Als ich also schwanger wurde, war mir klar, er würde nicht begeistert sein – tatsächlich, als ich ihn nach 12 Wochen darüber in Kenntnis setzte, dass ich schwanger und bereit sei, bis zum Beginn meines Mutterschutzes voll zu arbeiten und mich weiter reinzuhängen, tobte er und stellte er mich vor die Wahl – entweder ich gebe das Kind auf (…), oder ich stimme einer Kündigung zu oder er sorge dafür, dass ich beruflich nie wieder einen Fuß auf den Boden bekäme.

Ich war dermaßen fassungslos und schockiert, dass ich unmittelbar Wehen bekam und das Büro verließ.

Mein Frauenarzt verordnete mir ein Beschäftigungsverbot, eine Psychologin der Beratungsstelle unterstützte dieses Beschäftigungsverbot mit einem Schreiben.

Mein Chef kündigte mir fristlos, weil er das Beschäftigungsverbot nicht anerkannte und behauptete, ich sei einfach zu faul, weiter arbeiten zu kommen – ich hätte Urlaub gewollt und würde mich jetzt so an ihm rächen, weil er mir den Urlaub nicht genehmigt hatte.

Ein nicht endenwollender Psychoterror folgte – ständig stellte er andere Behauptungen auf, zahlte mein Gehalt natürlich nicht mehr und ich war die gesamte Schwangerschaft unter Streß und mitunter völlig verzweifelt.

10 Tage vor der Entbindung fand der erlösende Gerichtstermin statt – er musste mir jeden Cent der vorangegangenen Monate zahlen, weil ich natürlich de facto während der Schwangerschaft nicht kündbar gewesen war und das Einstellen der Zahlungen an mich somit nicht rechtsgültig.

 

Gerade während des Frühstücks sagte mein Mann mir, ob ich eigentlich wusste, dass mein damaliger Chef gestorben sei?

Wer, fragte ich – na DER! Letztes Jahr schon.

Und wisst Ihr was? Ich bin gerade richtig schockiert und musste weinen!

Vor meiner Schwangerschaft war er echt ein netter, lustiger Typ.

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One Response to “In memoriam”

  1. Hallo Frau Palmenstrand,

    ich habe deinen Blog abonniert, weil ich ihn irgendwann gefunden und mich in manchen Berichten wiedergefunden hab.
    Da ich gelesen hab, dass du dich momentan mit schöneren Dingen beschäftigst, wollte ich dir nur kurz einen lieben Gruß da lassen.

    Und dass du so viel durchmachen musstest bei deiner 1. Schwangerschaft, tut mir leid. Ich hatte auch mal so einen rabiaten Chef, wegen dem ich letztendlich auch gekündigt habe. Ich denke mal, er lebt heute auch schon lange nicht mehr. Auch er tat mir irgendwie leid, cholerisch und allein wie er immer war. Aber das eine resultierte wohl aus dem anderen. Wer weiß.

    Suse


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