Palmenstrand's Blog

so fern und doch so nah

Familie heisst Probleme haben 21. Oktober 2010

Filed under: Hey there,Schallalalala — palmenstrand @ 7:43 am
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Diesen Satz, der so in etwa der Titel eines Buches sein soll, hat mir meine Therapeutin mit auf den Weg gegeben und er geht mir nicht mehr aus dem Kopf.

Ich habe seit meiner Schwangerschaft immer versucht „das Beste“ für mein Kind, bzw. meine Kinder zu tun.

Dabei war es mir wichtig, mich mit meiner eigenen Erziehung auseinander zu setzen, bewusst Dinge anders zu machen oder einige wenige sogar zu übernehmen. Ich habe Bücher gewälzt, ganz gängige, aber vor allem dann irgendwann ganz besondere, wunderbare…Juuls, Largo, Liedloff,…

Ich wollte meine Kinder respektieren, liebevoll mit ihnen umgehen, sie in ihrem Sein unterstützen und vor allem jederzeit gewaltfrei kommunizieren (gewaltfrei ist ohnehin klar, aber eben auch in der Kommunikation und das ist manchmal wesentlich schwerer einzuhalten) – harmonisch sollte es sein, wir alle eine grosse, glückliche Familie. Gemeinsam lachen, spielen, fröhlich sein, uns bedingungslos lieben und ein wunderbares, erfülltes, traumschönes Leben führen.

Nicht zuletzt weil wir eben nicht rund um die Uhr, eine zwar grosse, aber nicht permanent glückliche Familie sind, habe ich mich dann von Beginn an, also quasi mit der Geburt des ersten Mamasitos permantent unter Stress gesetzt.

Dass die Dinge nicht immer rund laufen, ist selbst mir Romantikerin klar, aber ich hatte so eine ganz konkrete Vorstellung von „wie ich mir meine Traumfamilie denke“ und sobald vor allem meine Mamasitos von diesem Ideal abgewichen sind, bin ich unter Streß geraten. Die liebevolle, pädagogisch wertvolle Mama, die ich so gerne sein möchte, hat auf einmal angefangen zu brüllen, war ratlos, verzweifelt und hatte Gefühle von „ich würde Dich jetzt am liebsten an die Wand werfen“!

Dass ich diese Gefühle hatte und habe, löst bei mir    s o f o r t    und zwar just in dem Moment, in dem sie hochkommen, ein schlechtes Gewissen aus, denn natürlich widersprechen sie all dem, was ich mir so in meinen idealisierten Träumen vorgestellt hatte.

Ich glaube, ich bin nicht die Einzige, die dieses Problem hat, im Gespräch mit einer anderen Kindergartenmama ist mir dieser Tage aufgegangen, dass es ihr ähnlich geht und dass dieser Druck vor allem dann besonders groß ist, wenn sie mit ihren Kindern anderswo ist. Es sei, als ob sie sich und ihre Familie dann aus den Augen der anderen sähe und unmittelbar nimmt sie jede nicht perfekte Kleinigkeit sofort als Makel wahr und fühlt sich schlecht, wird hysterisch, versucht die Kinder in die gewünschte Form zu pressen, das geht natürlich schief und am Ende fahren alle völlig gestresst nach Hause. Meine Güte, wie gut kenne ich solche Situationen.

Fast undenkbar zu glauben, dass ich erst durch diesen einen Satz „Familie heisst Probleme haben“ eine Art Legitimation gefunden habe, für alles, was nicht rund läuft.

Wir sind Eltern, deren Herkunft unterschiedlicher kaum sein könnte, das alleine schafft trotz aller Liebe und Verbundenheit immer wieder Reibungspunkte – natürlich ist das so – unsere Kinder sind eigenständige Menschen, die auch unterschiedlich fühlen und denken – natürlich ist auch das so (obwohl oder gerade weil sie unsere Kinder sind) – so viele Menschen auf einen Haufen, das KANN eigentlich ganz natürlicher Weise nicht immer wunderbar sonnig, harmonisch, glücklich und traumschön sein – das wirklich zu verinnerlichen, daraus Kraft und Ruhe zu schöpfen, und in Momenten an denen ich sonst verkrampfen würde mein inneres „oooohhhhhhmmmmmmm“ herauszukramen, wird in den kommenden Tagen, Wochen, Monaten, Jahren…. verstärkt meine Aufgabe sein. Und dann wird alles gut!

 

Freundschaft – oder – auch da kenne ich nun meinen Platz 4. Juni 2010

Filed under: Autsch!! — palmenstrand @ 7:18 am
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Gerade eben habe ich in einem Nebensatz von einer meiner besten Freundinnen, noch aus Kindertagen, erfahren, dass eine andere Freundin, die wegen ihrer überstandenen Krebserkrankung lange dachte, sie könne keine Kinder bekommen, mittlerweile im 6.Monat schwanger ist. Der Freundin wurde es persönlich gesagt. Offiziell mitgeteilt, voller Freude, nachdem die ersten 3 Monate abgewartet wurden. Wir waren eng befreundet, Trauzeuginnen, Taufpatinnen – in anderen Städten lebend, aber immer im Herzen beieinander (dachte ich).

So sehr ich mich freue, so glücklich ich bin, dass dieses Kind zu ihr wollte und sie nach allem durch das sie durch musste nun doch erleben darf, was es heisst, Mama zu sein – die Enttäuschung über die Verletzung, dass sie es mir nicht gesagt hat, überwiegt.

Ich bin gerade traurig, so traurig.

Vielleicht ist es egoistisch, dass diese Traurigkeit und Verletztheit in einem Moment der Freude überwiegt, aber ich kann nicht anders.

 

Demenz ist ein Arschloch!! 3. März 2010

Filed under: Oups! — palmenstrand @ 6:08 pm
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Vor nicht allzu langer Zeit habe ich bei ihr eine ähnliche Aussage gelesen und seither hat mich dieser Satz nicht mehr losgelassen.
Vielleicht insbesondere, als ich zu diesem Zeitpunkt ein sehr spirituelles Buch gelesen habe, in dem thematisiert wurde, dass es für eine mögliche Heilung unbedingt hilfreich ist, wenn man den (in diesem Fall) Krebs eben nicht als Arschloch sieht.
Dass es sinnvoll ist, ihn nicht als Fremdkörper und Feind zu betrachten, sondern ihn im Gegenteil in Gedanken an die Hand zu nehmen, mit ihm zu sprechen und ihm zuzulächeln, um ihn zu verstehen und ihn in der Folge dadurch nicht länger als Feind zu haben.
Das schien mir so einleuchtend und auf jede andere Krankheit anwendbar zu sein.
Heute ist mir klar geworden, dass der Gedanke zwar nachvollziehbar ist, die Umsetzung aber an der Realität scheitert…

Wie soll man Demenz an die Hand nehmen, wenn der Betreffende schliesslich garnicht weiss, dass sie da ist.

Ist es überhaupt leistbar, dem von der Krankheit betroffenen Menschen, der Demenz und all ihren hässlichen Begleitumständen allein und gänzlich unprofessionell zu begegnen, ohne daran zu zerbrechen?
Es geht ja auch nicht nur darum, Schimpftiraden auszuhalten, Schläge abzufangen und die Hygiene in einem Rahmen zu halten, der für den Kranken und sein Umfeld erträglich sind – eine RundumdieUhrbetreuung muss gewährleistet sein, nächtliches Tiefschlafen unmöglich, wenn die kranke Person das Schlafen der Anderen als Einladung zur Flucht versteht.
Kann man es schaffen, dem stetig voranschreitenden Verfall mit Ruhe zu begegnen, wenn man nie Zeit hat, sich mit der eigenen Wut, Trauer und Verzweiflung über die Ungerechtigkeiten, die das Leben mitunter bereit hält, auseinander zu setzen? Wie soll man die Schuldgefühle ausser Kraft setzen, die sich täglich, stündlich, sekündlich immer häufiger und immer wilder einstellen, weil die Liebe schwindet und dem Drang Platz macht, sich so weit es nur geht zu entfernen?

Demenz ist ein Arschloch – weil sie nicht nur den befällt, der ihr zum Opfer wird – weil sie sich ausbreitet, Ausweglosigkeit und Gewissensbisse säht, weil sie einen hoffen lässt, es möge schnell vorbeigehen – und auch da: wie soll man es für den Rest seines Lebens mit seinem Gewissen vereinbaren, dass man beginnt, einem Menschen den Tod zu wünschen, der einem selbst das Leben geschenkt hat!