Palmenstrand's Blog

so fern und doch so nah

Leben im Umbruch 25. September 2010

Filed under: Autsch!!,Hey there,Oups! — palmenstrand @ 9:26 am
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„Warum ist Dir das Studium eigentlich so wichtig“, fragt mich meine bessere Hälfte zum wiederholten Mal, und zum ersten Mal quittiere ich diese vermutlich wahrhaftig ernstgemeinte Frage nicht mit einem wütenden Schnauben.
Warum ist es mir denn so wichtig?
Wenn ich auf meine kaufmännische Ausbildung zurückblicke, dann sehe ich spiessige Bürokostümchen, im Nagelstudio in Form gebrachte Fingernägel, Trennwände die mit wahnsinnig witzigen Sprüchen dekoriert wurden, die obligatorische aber nichts desto Trotz entsetzliche Diddl – Tasse und ein grässlich ödes, wenig inspirierendes, in fest gezurrten Bahnen verlaufendes Arbeitsleben vor mir. (das ich schon vor einiger Zeit mit Freude verlassen habe)
Ich habe keinen Ehrgeiz, Karriere zu machen und dabei immer weiter aufzusteigen, mein Ehrgeiz erstreckt sich darauf, möglichst viel aus unterschiedlichsten Belangen zu lernen.
Mich interessieren Menschen, Menschen unterschiedlichster Kulturen, Menschen mit ihren Wünschen, Bedürfnissen, ihrer Herkunft, ihrer Vergangenheit, ihrer Bräuche, Gewohnheiten, Gepflogenheiten, ihre Sprache und die Abgründe und Ängste, die sie nicht in Worte zu packen wagen.
Von Natur aus bin ich mit einem Talent gesegnet, ohne großes Zutun Sprachen zu erlernen und ich würde mein Leben am liebsten damit verbringen, noch viel mehr zu lernen.
Es ist wie ein innerer Zwang, ich habe ein tiefes Bedürfnis, kommunizieren zu können und erlebe eine geradezu erhebende Freude, wenn mir das in Sprachen gelingt, die eben nicht meine Muttersprache sind.

Wenn ich auf die letzten Wochen zurückschaue und mich selbst von aussen betrachte, wie ich wie eine Wahnsinnige mittlerweile 38 Bücher in mich aufgesogen habe, dann ist DAS genau, wie ich bin (natürlich auch ein bisschen wahnsinnig) aber vor allem stets und ständig auf der Suche nach neuem Wissen, mit dem ich mich füllen kann.

Meine Therapeutin hat mir gestern sehr vorsichtig, aber doch nachhaltig zu verstehen gegeben, dass ich diese Ruhelosigkeit oder Wissbegierigkeit vermutlich nicht damit füllen können werde, dass ich meiner Laufbahn einen akademischen Titel hinzufüge.
Der Makel, den ich empfinde, es trotz meiner Vielseitigkeit und Talente „nur“ zu einer Ausbildung in dem mir verhassten Büro gebracht zu haben, wäre damit allerdings ausradiert.
Aber, und auch da hat meine Therapeutin angesetzt, warum empfinde ich das so als Makel, warum habe ich es nötig, mich da heraus zu winden und mir sozusagen einen neuen, vor allem in meinen Augen „öffentlich tauglichen“ Anstrich zu geben?!
Will ich empfindsamer Mensch, der es nicht einmal schafft, eine Mücke, die mich die ganze Nacht in den Wahnsinn getrieben hat und eines der Mamasitos fast zur Unkenntlichkeit verunstaltet hat, zu erschlagen, wirklich in einem studierten, sozialen Beruf arbeiten, mich in das Schicksal anderer Menschen stürzen, ohne jemals mit meinem eigenen klar gekommen zu sein?
Ich kann schon so kaum Grenzen setzen vor den Sorgen meiner Mitmenschen und wünschte stets, sie beheben zu können, um mein Gegenüber wieder glücklich zu sehen – was das an Kraft kostet, ohne diese Gewohnheit zum Beruf zu machen – und ob ich, so wie ich bin, je lernen würde, die nötige professionelle Distanz an den Tag zu legen?
Um nochmal meine Therapeutin ins Spiel zu bringen – sie hat mir ein kleines Flöhchen ins Ohr gesetzt: was wäre, wenn ich mir einen Bürojob an Land ziehen würde, in einer Organisation, die mir entspricht – nicht in einem Konzern, der Halbleiter oder ähnliches produziert, was mich ausnahmsweise mal nicht die Bohne interessiert, sondern vielleicht in einer Schule, einer wohltätigen Gesellschaft, einem Sportverein, Museum oder ähnlichem – und nebenbei belege ich so ziemlich alle Sprach-, Kunst-, Kultur-, etc. Kurse, die die VHS zu bieten hat, um mir auf dieser Ebene Befriedigung zu verschaffen!?!
Noch habe ich keine Entscheidung getroffen, ich weiss nicht, was schwerer wiegt – die Erkenntnis, dass ein erneut abgebrochenes Studium meine Schmach irreparabel festigen würde, oder das Wissen um die Freiheit, meinen bisherigen Werdegang nicht mehr als Belastung zu empfinden….

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Philosophier in der Gegend rum 2. Juli 2010

Die Tage haben meine Freundin und ich über das Leben philosophiert. Über das Leben als Frau im Allgemeinen.

Ich habe jetzt während der Sommertage so viele junge Mädchen knutschend mit ihren Freunden gesehen und bin zu dem Schluss gekommen, dass das alles so nicht gut gehen kann.

Äh ja, wie meine ich das jetzt?

Hervorgerufen wurden diese Gedanken durch den Albert und seine Charlene – jaja, den Monegassenfürsten und sein Seepferdchen. Im Urlaub lese ich bevorzugt Boulevardpresse, zum einen, weil dies oft die Einzige ist, die man bekommt, zum anderen auch, weil mehr als leichte Kost für den Urlaub nicht gestattet ist. So.

Jetzt stand da nach der Schwedenhochzeit, dass Fürst Albert und Charlene Wittstock sich verlobt hätten und das sei ja so spät, immerhin sei er schon 52 und sie immerhin auch schon 32 und blabla.

Eigentlich, so finde ich, haben die beiden es doch genau richtig gemacht. Er hat sich nach Herzenslust ausgetobt, sich in den Bob geschmissen, dabei sein ist alles, uneheliche Kinder gezeugt, Nackepos auf Jachten eingecremed (ich war schon oft im Urlaub 😉 ) und so weiter. Sie war immerhin erfolgreiche Schwimmerin, hat die Welt bereist, vermutlich auch schon das ein oder andere gesehen und erlebt naja und jetzt ist sie eben angekommen.

Ich finde das gut. Das ist ein gutes Alter, um zu heiraten und eine Familie zu gründen.

Warum ich das sage? Weil ich mir überlege, ob es wirklich möglich ist, mit einem Menschen allein glücklich zu werden, wenn man vorher nicht die vielen verschiedenen unendlich scheinenden Facetten des Lebens kennengelernt hat. Wenn man frei und ungebunden war. Freiheit und Ungebundenheit gelebt hat. Sich selbst kennengelernt und genossen hat, bei sich selbst angekommen ist also.

Auch in puncto Sex. Wenn es darum geht, eine erfüllte Sexualität zu haben, bin ich davon überzeugt, muss man sich ausprobiert haben.

Natürlich ist die Vorstellung schön, dass man jungfräulich in die Ehe geht und dann ein Leben lang nur mit einem Partner Sex  hat – aber ich glaube nicht daran, dass man mit einem Partner alleine lernen kann, das zu geben und zu nehmen, was letztlich dazu beiträgt, dass das ganze wirklich und zwar beiden Spass macht.

Und was, wenn sich herausstellt, dass die Frau oder der Mann auf bestimmte Praktiken stehen würden, die aber der Partner nicht teilt – nie ausprobiert, nicht gewusst aber verheiratet und jetzt?

Wie oft lese ich in Frauenforen (gerade neulich wieder): Wie oft kommt ihr (wenn ihr kommt) beim Sex?

Und da lassen sich dann unzählige Frauen darüber aus, dass das ja nicht das wichtigste ist, blabla.

Da stehen mir die Haare zu Berge. Ich gebe ja zu, dass das nicht das wichtigste ist – aber ich glaube, dass ein wirkliches Bewusstsein über den eigenen Körper, nur durch Erfahrung erreicht wird und wenn man weiss, wo es gut tut, dann kann man das auch vermitteln und dann lässt man sich nicht 20 Jahre lang vom Mann durchnudeln, um sich nebenbei in Foren darüber zu beschweren, dass man aber beim Verkehr als solches garnicht kommt, der Mann das aber garnicht weiss, die Betreffende aber nicht weiss, wie sie das jetzt ihrem Mann erklären soll und sie deshalb alles beim alten belässt. Mann Mann Mann.

Ja ach.

Gut, also Erfahrung.

Meine Freundin Tina hat mit 14 ihren Freund Peter kennengelernt. Die beiden waren 10 Jahre lang ein Paar und er war ihr erster und einziger Mann. Kurz vor der geplanten Eheschliessung lernte sie auf den Malediven einen unfassbar tollen Mann kennen, der sie so geflashed hat, dass sie sich von Peter getrennt hat, um mit dem anderen Mann zusammen zu sein. Wenig später folgte die Heirat und nach wenigen Jahren wurde die Ehe wieder geschieden.

Tina, die nun Mitte Dreissig ist, lebt jetzt zum ersten Mal, seit sie 14 ist, als Single und geniesst dieses Leben aus vollen Zügen. Sie sagt von sich selbst, dass sie ein absolutes Defizit an LEBEN hat. Im Nachhinein wäre es besser gewesen, erst Single zu sein, sich umzuschauen, zu reisen, zu flirten, vielleicht die ein oder andere Bekanntschaft mitzunehmen, aber sich dabei erst selbst kennen zu lernen.

So sehr sie die Freiheit jetzt geniesst, sie hört auch die Uhr ticken. Ein Kind bekommen, doch noch einen Mann kennenlernen, mit dem es passt – allerdings will sie gerade garkeinen Mann mehr, das Kind aber irgendwie schon – ganz schön vertrackt. Und vermutlich garnicht so selten.

Ja, so – was immer ich damit sagen wollte – ich habe es vergessen.

Vielleicht, dass es gut ist, wenn man das Leben erstmal auskostet, Erfahrungen macht.

Nicht dass eine frühe Bindung nicht auch eine wertvolle Erfahrung ist (ich rede mich hier gerade um Kopf um Kragen), aber irgendwie, wenn ich mich gerade so umschaue, stelle ich fest, dass die, die sich früh gebunden haben, jetzt gerade mitten in einer Lebens- oder Sinnkrise stecken und ich frage mich, ob das zu verhindern wäre, wenn man mit allen Verbindlichkeiten einfach erst ein wenig später anfängt?!

Gerade frage ich mich, ob vielleicht die ein oder andere midlife crisis auch zu verhindern wäre, wenn die Männer sich so richtig austoben würden? Vielleicht so wie der Albert – wir werden es vermutlich erleben…